Beirat soll auf St. Pöltner Stadt-Identität achten. Gemeinderat beschließt Gründung von Gruppe aus Fachleuten, die künftig Auge auf St. Pöltens Architektur haben.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 25. Februar 2020 (04:00)
Der Abriss des alten Pressehauses (links im Bild) gilt als Stein des Anstoßes zur Gründung eines Gestaltungsbeirates. 
Max Steiner

Das jahrelange Warten auf die Errichtung eines Gestaltungsbeirates hat ein Ende. In der Februar-Sitzung hat der Gemeinderat das Gremium beschlossen. Unabhängige Sachverständige werden damit künftig Empfehlungen für Bauobjekte im Stadtgebiet abgeben und die architektonische Qualität beurteilen.

Aus mindestens drei Mitgliedern plus einem Ersatzmitglied soll das Gremium bestehen. Darin sitzen Fachleute für Architektur, Raum-, Stadt- oder Freiraumplanung, die ihr Fachgebiet in der Praxis oder Theorie ausüben. In der Regel sollen die Mitglieder alle drei Jahre wechseln. Viermal jährlich soll der Beirat tagen.

Bürgermeister Matthias Stadler betont, dass die SPÖ keinen Schnellschuss produzieren wollte. Geschaffen werden solle der Grundstein für ein vernünftiges Gremium, das die Identität St. Pöltens als historisch relevante Stadt wahrt.

Kritik und Vorschläge von der Opposition

Vizebürgermeister Matthias Adl ist grundsätzlich froh, dass das Gremium endlich kommt, er fordert aber, „dass die Sitzungen des Gestaltungsbeirates öffentlich sind“. Er erwartet sich höchstmögliche Transparenz. Das sei in anderen Städten wie etwa Salzburg durchaus üblich. Adl ärgert sich auch, dass die Opposition vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. „Nach dem Motto: Friss, Vogel, oder stirb!“ Er hätte sich eine intensivere Diskussion mit allen Fraktionen in den Ausschüssen gewünscht.

FPÖ-Stadtrat Klaus Otzelberger zeigt sich zufrieden mit der Entscheidung der SPÖ-Mehrheitsfraktion. Für Markus Hippmann von den Grünen war es für die Gründung eines Gestaltungsbeirates höchste Zeit. Er wünscht sich zusätzlich die Aufnahme der Verpflichtung zur ökologischen Bauweise in die Statuten. „Das erachte ich aber heutzutage ohnehin als selbstverständlich“, so Markus Hippmann.

Froh zeigte sich Hauptstadt-Planer Norbert Steiner über den Beschluss zur Schaffung eines Gestaltungsbeirates: „Ich kann nun meinen Prandtauer-Preis behalten.“ Vor wenigen Wochen hatte er noch angedroht den Preis an die Stadt zurückzugeben zu wollen, sollte nicht binnen kürzester Zeit ein Gestaltungsbeirat gegründet werden.

Steiner will Wettbewerb für Leiner-Projekt

Norbert Steiner betrachtet einige neue Bauprojekte in der Stadt sehr kritisch. Eines davon ist auch das Großprojekt von René Benkos Signa-Holding auf dem Leiner-Areal am Rathausplatz. Im Zentrum sollen Wohnungen, ein Hotel sowie ein Kongresszentrum entstehen. „Ein Wettbewerb zur Findung der besten Ideen ist dort notwendig. Ich halte Signa für einen so aufgeklärten Bauträger, dass die das auch machen wird“, ist Steiner überzeugt.