Weniger Nachhilfe in St. Pölten. Geringere Zahl an Schülern besucht Sommerkurse vor Schulstart.

Von Caroline Böhm. Erstellt am 07. August 2020 (03:12)
Eltern und Schüler sind heuer zurückhaltender bei Buchung von Nachhilfekursen. 
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Büffeln für die Nachprüfungen und Wissenslücken füllen – dafür bieten verschiedene Nachhilfeinstitute in den Sommerferien Kurse an. In diesem Jahr, so berichten einige von ihnen, ist die Nachfrage jedoch gesunken.

„Der Notendruck war plötzlich weg“, erzählt Angela Schmidt, Unternehmenssprecherin von LernQuadrat. Wegen Corona gelten heuer andere Regeln für die Versetzung. Schüler mit einem „Nicht genügend“ können trotzdem aufsteigen, bei mehreren Fünfern entscheidet die Klassen- oder Schulkonferenz. Schmidt zieht daraus ihren eigenen Schluss: „Da sieht man, dass es bei Nachhilfe offenbar um gute Noten geht, nicht um das Aneignen und Verfestigen von Wissen.“

Unterschiedliche  Gründe für Nachhilfe-Tief

Ohne Nachprüfungen fehle vielen das Gefühl, für ihren schulischen Fortschritt wiederholen zu müssen, sagt Lisa Dutter, Nachhilfe-Koordinatorin des Biku. Sie vermutet außerdem, dass manche unsicher seien wegen der Ansteckungsgefahr. Aber auch das gesunkene Einkommen der Eltern spiele eine Rolle, ergänzt Wolfgang Sovek, Inhaber der Schülerhilfe St. Pölten.

An den Fächern habe sich jedenfalls wenig geändert, sind sich die drei einig. Allen voran steht Mathematik, gefolgt von Deutsch und Englisch. Dutter beobachtet zudem auffällig viele Anfragen wegen Fremdsprachen. Gerade wenn zuhause niemand die entsprechende Sprache beherrsche, habe es in der Zeit des Homeschoolings an Unterstützung gefehlt.

Neben dem wirtschaftlichen Verlust für sein Institut sorgt sich Sovek wegen der großen Lücken. Schon die Nachhilfe im laufenden Schuljahr sei nicht für das Aufholen von Defiziten, sondern zum Erklären des aktuellen Stoffs genutzt worden. Das „Durchwinken“ der Schüler habe das Problem nur verschoben. Er erwartet einen chaotischen Herbst: „Das böse Erwachen kommt nach den ersten Schularbeiten.“