Landes-Baurecht in der Stadt. St. Pöltner haben ab 1. Oktober auch Anspruch auf Landesaktion, Stadtaktion bleibt bestehen.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 13. September 2017 (05:04)
Die Stadt vergibt seit 2001Baurechtsgründe wie jene inRatzersdorf.
Werth

Im Zuge der Landeshauptstadt-Ernennung wurde St. Pölten von vielen Landesförderungen ausgeschlossen. Seit dem Amtsantritt von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ändert sich das Schritt für Schritt. Im Mai präsentierte sie gemeinsam mit Bürgermeister Matthias Stadler (SP) den „St. Pölten-Pakt“, mit dem sämtliche Wirtschaftsförderungen des Landes auch auf die Landeshauptstadt ausgedehnt wurden. Jetzt fällt auch die letzte grobe Benachteiligung: Die 1982 eingeführte Baurechtsaktion des Landes wird auf St. Pölten ausgedehnt – und das bereits ab 1. Oktober.

„Wir wollen in der Zukunft mehr Jungfamilien bei der Schaffung von Eigenheim unterstützen – auch in St. Pölten“, begründet Mikl-Leitner die Entscheidung. Anspruch auf die Baurechtsaktion des Landes haben junge Ehepaare bis 35 Jahre und Jungfamilien, in denen weder Vater noch Mutter über 40 Jahre alt sind.

In St. Pölten hatten Jungfamilien und junge Ehepaar bisher ausschließlich Anspruch auf die Baurechtsaktion der Stadt. Die wurde 2001 ins Leben gerufen, weil St. Pölten ausdrücklich von der Aktion des Landes ausgeschlossen wurde. Seit damals wurden 350 Gründe vergeben.

Prinzip von Stadt und Land ist gleich

Das Prinzip bei den Baurechtsaktionen von Stadt und Land ist gleich: Die öffentliche Hand kauft den Grund und überlässt ihn dem Bauwerber für 100 Jahre zu einem Baurechtszins – beim Land liegt er bei einem Prozent der Grundstückskosten pro Jahr, bei der Stadt bei zwei Prozent. Festgeschrieben ist auch das Recht, den Grund jederzeit zu kaufen.

In der praktischen Abwicklung unterscheiden sich die Baurechtsaktionen aber deutlich: Bei der Aktion des Landes kauft der Bauwerber selbst einen Baugrund, der gewisse Kriterien erfüllen muss: So darf das Grundstück nicht größer als 700 Quadratmeter sein und einen Gesamtkaufpreis von 55.000 Euro „nicht wesentlich übersteigen“. Erfüllt er diese Kriterien, kauft das Land den Grund und überlässt ihn mittels Baurechtsvertrag dem Häuslbauer.

Baurechtsaktion der Stadt wird fortgeführt

Die Baurechtsaktion der Stadt hingegen läuft umgekehrt ab: Die Stadt kauft in großem Stil zusammenhängendes Bauland, schließt es auf, parzelliert es und vergibt es dann an Bauwerber. Seit der Einführung der Aktion vor 16 Jahren wurden so Baurechtssiedlungen in Ratzersdorf, Oberradlberg, Pottenbrunn, Spratzern und St. Georgen gegründet. Die Aufschließung weiterer Baurechtsgründe in absehbarer Zeit ist vorgesehen, eine Einstellung der stadteigenen Baurechtsaktion ist laut Bürgermeister Matthias Stadler derzeit kein Thema. „Wir freuen uns aber, dass St. Pöltner jetzt die Wahl zwischen zwei Aktionen haben“, betont Stadler.