140 Hektar gehen endgültig an die Stadt St. Pölten. Ehemaliger Garnisonsübungsplatz im Süden soll Naherholung dienen. Landwirte hatten Kauf mehrfach beeinsprucht.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 11. November 2019 (20:15)
Der 140 Hektar große Garnisonsübungsplatz geht endgültig in das Eigentum der Stadt St.Pölten über. Ein Teil soll als Naturerholungsgebiet genutzt werden, andere Teile sollen wegen des S 34-Baus als Kompensationsflächen für die Landwirte dienen.
Grafik: Magistrat St.

Nach zehn Jahren scheint der Rechtsstreit entschieden: Der Garnisonsübungsplatz ist nun endgültig im Besitz der Stadt St. Pölten. 2009 hat die Landeshauptstadt den Zuschlag für das 140 Hektar große Gelände erhalten, das als Naherholungsgebiet genutzt werden soll.

„Wir haben lange darum gekämpft und dadurch ist es gelungen, diese Jahrhundertchance zur Sicherung dieser Grünflächen für die Bevölkerung zu nutzen. Das Areal ermöglicht uns eine nachhaltige Stadtentwicklung mit hoher Lebensqualität“, ist Bürgermeister Matthias Stadler zufrieden mit der Entscheidung.

„Eines zeigt sich immer wieder: Beharrlichkeit zahlt sich aus“, hatte er sich zuvor gefreut, was viele Leser bereits auf NÖN.at lesen konnten. Der Verwaltungsgerichtshof lehnte eine Revision ab. 24 Landwirte hatten den Kauf mehrfach beeinsprucht. „Gerichtsentscheidungen sind zu akzeptieren, wir werden aber überprüfen, ob es noch Rechtsmittel gibt“, will deren Interessensvertreter Anton Hieger sich weiterhin nicht ganz geschlagen geben.

Er und seine Bieterkollegen gehen davon aus, dass ein Gemeinderatsbeschluss aus 2009 in die Tat umgesetzt wird. „Die Stadt hat den Landwirten einen Grundtausch für die S 34 zugesagt.“

Teilbereich könnte unter Schutz gestellt werden

Der Magistrat will nun ein detailliertes Verwaltungs- und Verwertungskonzept in Zusammenarbeit mit Experten erarbeiten. „Wir werden uns anschauen, welche Flächen in welcher Nutzungsart – extensiv oder intensiv – für die Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden können“, sagt Martin Koutny vom Medienservice. Selbstverständlich würden Landwirte, die durch Maßnahmen der Stadt- und Verkehrsentwicklung Flächenverluste hinnehmen müssen, bevorzugt behandelt.

Hinter dem Flugfeld von Völtendorf erstreckt sich das ausgedehnte Waldgebiet.
Straubinger

Der Großteil der Fläche soll aber zu einem Naherholungsgebiet werden. Vom Aussterben bedrohte Tierarten wie Wachtelkönig oder die Libelle Glänzende Binsenjungfer haben hier ihre Heimat. „Wir wollen eine verträgliche Freizeitnutzung als stadtnahes Erholungsgebiet mit viel Natur und wertvollen Waldflächen für die Zukunft erhalten und weiterentwickeln. Es ist angedacht, bestimmte Teilbereiche unter Schutz zu stellen“, erklärt Bürgermeister Matthias Stadler die Pläne der Stadt.

„Endlich ist der Grundstückskauf auch rechtlich in Ordnung. Ich finde es gescheit, dass St. Pölten dieses Areal ins Eigentum der Stadt holen konnte“, ist Ober-Grafendorfs Bürgermeister Rainer Handlfinger zufrieden. An ein ungestörtes Naturerlebnis glaubt er aber nicht.

Die Pläne der S 34 würden dazu keinen Anlass geben. „Ich finde es schade, dass ein Erholungsgebiet von einer vierspurigen Autobahn durchschnitten wird“, so Handlfinger. An ein ungetrübtes Naturerlebnis glaubt auch Hieger nicht: „Es gibt derzeit eine Petition wegen des benachbarten Schießplatzes und außerdem finden am Flugfeld Völtendorf Helikopter-Schwebeflüge statt. Das ist alles sehr laut, und dann kommt noch die S 34.“

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