Erstellt am 19. Oktober 2017, 05:51

von Daniel Lohninger

Vor Start in die neue Bahn-Ära. Die 24,7 Kilometer lange Strecke ist Österreichs erste ohne Lichtzeichen. Die NÖN war bei einer Schulungsfahrt dabei.

Schulungsleiter Andreas Pitsch sowie die Nationalratsabgeordneten Johann Hell und Anton Heinzl begleiteten die Schulungsfahrt.  |  NOEN, Lohninger

In zwei Monaten beginnt auf der Weststrecke eine neue Bahn-Ära: Mit Fahrplanwechsel im Dezember geht die Güterzugumfahrung St. Pölten (GZU) in Betrieb. Mit dem 24,7 Kilometer langen Bahnabschnitt beginnt auch ein neues Eisenbahn-Zeitalter. Erstmals in Österreich kommt hier ausschließlich das European Train Controlling System (ETCS) zum Einsatz, es gibt kein einziges Lichtzeichen mehr.

Die NÖN hat erste Bilder von der fertigen Güterzugumfahrung (mehr Fotos und einen Kurzfilm gibt es auf NÖN.at).  |  NOEN

Seit der Vorwoche werden deshalb 1.400 Lokführer, die auf dieser Strecke unterwegs sein werden, eingeschult. Die NÖN war als einziges Medium bei einer Schulungsfahrt dabei und schaute Erich Schlembacher über die Schulter.

So wie die anderen kennt der St. Pöltner die Strecke beim Einsteigen nur aus dem Schulungsvideo. „Ich bin gespannt, wie sie in Wirklichkeit ist“, meint Schlembacher beim Wegfahren am Bahnhof in Pottenbrunn.

System bremst automatisch auf 120km/h

Flott geht es rauf auf die Neubaustrecke, die bislang nur von Testzügen befahren wurde. „Durch das ETCS sind die Züge auf der Strecke komplett überwacht. Es gibt einen permanenten Informationsaustausch über ein eigenes Funknetz zwischen Fahrzeug und Strecke“, erklärt Schulungsleiter Andreas Pitsch. Überschreitet der Zug die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h, bremst das System automatisch, ebenso bei einem Signal, das Gefahr anzeigt, oder überhitzten Achsen.

Die NÖN schaute Lokführer Erich Schlembacher bei seiner Schulungsfahrt über die Schultern.  |  NOEN

Im Pummersdorfer Tunnel hält er die Lok für eine kurze Unterweisung an. Ein eigenes Tunnelsicherheitskonzept sorgt hier dafür, dass alle 500 Meter ein Sicherheitsausstieg an die Oberfläche führt – mit Schleusentüren, die verhindern, dass Rauch aus dem Tunnel in die Ausstiege qualmt. Stattdessen entweicht der Rauch durch eigene Lüftungsschächte.

Einen Brandeinsatz im Pummersdorfer Tunnel probten Feuerwehren, Rettung, Polizei und ÖBB am vergangenen Samstag. Die Verletzten musstendabei zeitgleich zur Brandbekämpfung versorgt und gerettet werden, speziell ausgerüstete Tunnel-Rüstlöschfahrzeuge waren ebenso im Einsatz wie Atemschutztrupps.  |  NOEN, BFKDO St.Pölten/Dirnbacher

In jeder Tunnelröhre wurde eine Löschwasserleitung verlegt, die Einsatzfahrzeuge können über betonierte Bahnen hineinfahren. Wie im Notfall geholfen werden kann, probten am vergangenen Samstag die Einsatzkräfte. Die Annahme war ein Brand in einem Liegewagen der Rollenden Landstraße. 250 Teilnehmer von ÖBB, Feuerwehren, Rotem Kreuz, Samariterbund und Polizei waren im Einsatz.

Vom anderen Endpunkt am Knoten Rohr bei Loosdorf geht die Übungsfahrt wieder zurück. Für den Lokführer ist die Einschulung damit aber noch nicht beendet: Im Dienstunterricht werden die Erfahrungen vertieft.

17 Jahre bis zur Fertigstellung

Mit auf Schulungsfahrt waren auch die Noch-Nationalratsabgeordneten Anton Heinzl und Johann Hell, die in der schon 1991 geplanten Güterzugumfahrung den Beweis dafür sehen, dass sich parlamentarische Arbeit auszahlt.

Güterzugverkerher aus Stadtzentrum verbannt

„Nur durch die Hartnäckigkeit der Politik wurden die unter Schwarz-Blau gestoppten Arbeiten vor acht Jahren wieder aufgenommen“, betont Heinzl. Der Vorteil für die St. Pöltner: Der Güterzugverkehr wird großteils aus dem Stadtzentrum verbannt, die frei werdenden Zeitfenster auf der Strecke durch den Hauptbahnhof ermöglichen mehr Personenzüge.