Start-up knackt Kerne und ein altes Problem. Junges Team verwertet Obstkerne als Rohstoff weiter. Daraus entstehen Öl für Kosmetika und gesunde Snacks.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 23. Juni 2019 (03:11)
Christian

Marillen werden zu Marmelade, Kirschen zu Saft und Zwetschken zu Kompott. Das Fruchtfleisch wird verarbeitet, die Kerne landen im Müll oder – bestenfalls – im Ofen. Damit wird leichtfertig ein echtes „Superfood“ weggeworfen, wie das Team von „Kern Tec“ erkannte. Genau in den harten Kernen, von denen 500.000 Tonnen europaweit jährlich entsorgt werden, befindet sich nämlich ein Samen, der einen hohen Gehalt an gesättigten Fetten und Proteinen aufweist. Das Start-up rund um den Hafnerbacher Fabian Wagesreither und seinen St. Pöltner Kollegen Michael Beitl entwickelte daher eine Technologie zur Aufspaltung, Sortierung und Veredelung von Steinobstkernen.

Kern Tec
Kern Tec

Nächste Woche soll die selbst entworfene „Kernspaltungs“-Maschine erstmals in Betrieb gehen. Insgesamt 500 Tonnen Steinobstkerne will das Team damit heuer noch retten. Sie werden von Bauern abgeholt, getrocknet und gespalten. Verwendungsmöglichkeiten gibt es für die gewonnenen Weichkerne viele: Sie kommen in der Kosmetikindustrie zum Einsatz.

„Gerade Marillenkernöl ist gut für die Haut“, weiß Beitl. Dieses wurde bisher meist aus Asien importiert, wo die Kerne noch von Hand geknackt werden. Zudem können essbare Öle aus dem vermeintlichen Müll gewonnen werden. „Und sie eignen sich auch super als Snack“, ist Beitl begeistert.

Um die nährstoffreichen Naschereien guten Gewissens knabbern zu können, ist jedoch noch ein weiterer Schritt nötig. Die Blausäure, die sich in Steinobstkernen befindet, muss absorbiert werden. Hier kommt die zweite Erfindung des Start-ups ins Spiel: „Wir sind am Bau einer Blausäure-Abtragungsanlage, die die Rohstoffe erstmals dem Lebensmittelmarkt zugänglich macht“, so Wagesreither, der Techniker im Team.