Im Clinch mit dem AMS. Regionale Geschäftsstelle will Gesundmeldung nicht erhalten haben, Carina Gruber hat sie irrtümlich gelöscht. Jetzt kämpft die Pottenbrunnerin um Geld für 17 Tage.

Von Alex Erber. Erstellt am 08. März 2021 (15:27)
Symbolbild
APA (Pfarrhofer)

Die gute Nachricht zuerst: Carina Gruber hat wieder einen Job. Die alleinerziehende Mutter ist „frische 40“, wie sie schmunzelt, und von Beruf Ordinationsassistentin. Man kann sich leicht ausrechnen, dass da wirklich jeder Euro in der Geldbörse zählt.
Ein sehr guter Bekannter von ihr, René Zuser aus Ossarn, hat nun an die Öffentlichkeit gebracht, warum manche Menschen am Sozialsystem manchmal (ver-)zweifeln.
Carina Gruber war im Vorjahr arbeitslos und wurde Anfang Oktober überdies krank. Am 7. Oktober übermittelte sie diesen Umstand dem Arbeitsmarktservice sowie die Krankschreibung durch Mediziner Hannes Speiser.

„Am 19. Oktober ließ ich mich vom gleichen Arzt gesund schreiben und übermittelte auch diese Bestätigung am gleichen Tag unverzüglich dem AMS“, berichtet Carina Gruber. Anfang November musste die Pottenbrunnerin feststellen, dass sie keine Zahlung erhalten hatte. Bei einem Telefonat mit dem AMS am 6. November stellte sich heraus, dass dort niemals eine Gesundmeldung eingelangt sei. „Noch während des Telefonates habe ich die Gesundmeldung via E-Mail übermittelt“, schildert sie.

Konsequenz: Die AMS-Mitarbeiterin trug die Gesundschreibung mit 5. November ein, Arbeitslosengeld gab es daher wieder ab 6. November. Carina Gruber fordert vom AMS nun, das Arbeitslosengeld zwischen 19. Oktober und 6. November zusätzlich zuzuerkennen.

Außerdem erklärt sie, dass ihr aufgrund der Eintragung des „falschen Datums 5. November“ eine sogenannte Covid-Einmalzahlung von 300 Euro anstelle der ihr zustehenden 450 Euro ausbezahlt worden ist: „Da die höhere Zahlung erst ab 45 Tagen Arbeitslosigkeit zusteht und ich ,nur‘ 33 Tage anstelle der richtigen 48 Tage arbeitslos gewesen sei.“

Und jetzt zum großen Problem, das die Frau hat und den Kampf um mehr Geld möglicherweise entscheidend schmälert: Sie hat das Schreiben an das AMS mit der Gesundmeldung vom 19. Oktober gelöscht: „Ich habe zwei alte Computer, bei denen der Posteingang permanent verstopft ist, ich komme mit dem Löschen kaum nach.“ Und weil sie die Gesundmeldung irrtümlich gelöscht hat, kann sie nicht nachweisen, sie tatsächlich am 19. Oktober dem AMS übermittelt zu haben.

Angelegenheit ist vor dem Verwaltungsgericht Carina Gruber hat jedenfalls gegen den abweisenden Bescheid der AMS-Geschäftsstelle St. Pölten Beschwerde erhoben. Das AMS hat diese Beschwerde zur endgültigen Klärung dem Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet. „Mehr zu dieser Causa können wir aus Datenschutzgründen nicht sagen“, teilt Heidelinde Schneider vom AMS St. Pölten mit.

René Zuser hat sich seine Meinung gebildet: „Da geht es um ein paar 100 Euro. Anderswo wird viel Geld verpulvert. Ich verstehe das Ganze nicht.“