Die ewige Unlust am Bügeln: Sammlerin blickt zurück. Wenn der Bügelwäsche-Berg veritable Verzweiflung auslöst, dann hilft ein Rückblick auf die Gefahren.

Von Teresa Lobinger. Erstellt am 01. März 2020 (03:50)
Hildegard Bernges vor einem kleinen Teil ihrer Bügeleisen-Sammlung, ihr Mann Volker hat immer ein Auge auf die richtige Ordnung.
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„Schädliche Dämpfe, Explosionen, Bügeln war früher ein wirklich schwerer und gefährlicher Beruf“, weiß Hildegard Bernges, sammelt sie doch seit vielen Jahren Bügeleisen aus allen Epochen und vielen Ländern, „ja, es sind jetzt sicher schon über 120.“

Das sind die richtigen Stücke für Sammler, Tierköpfe, kunstvolle Untersetzer oder Spitzen- und Bordüren-Mini-Bügeleisen.
Lobinger

Vor 2200 Jahren fiel den Chinesen ein, dass sie ihre Seide gern geglättet hätten, mit in Pfannen gefüllte glühende Kohlen. Danach entstanden Eisen, aus einem Stück geschmiedet, heiß als Ganzes, die nur mit Schutzhandschuhen anzugreifen waren.

Raffinesse dann im 16. Jahrhundert: austauschbare Holzgriffe, „so hatte man mehrere Eisen im Feuer“, wie das Sprichwort heute noch sagt.

Mit dem Fortschritt kamen dann die Gefahren. Um 1890 waren Holzkohleeisen angesagt, in die glühende Kohlenstücke gefüllt wurden, mit Öffnungen, damit die Abgase abgeführt werden konnten. Mit einem Abzugsrohr wollte man die ungesunden Gase am „Bügelnden“ vorbei lenken.

Rauchgasvergiftung, das harmlosere Übel?

Hildegard Bernges zeigt teilweise kunstvolle und schöne Stücke, Abzugsrohre in Form von Tierköpfen, aber der glühende Inhalt machte trotzdem hin und wieder Bekanntschaft mit der Wäsche.

Von Amerika kam dann der Trend der Benzin- oder Spirituseisen. Einspritzdruck, Ventil und Handpumpe, einmal nicht aufgepasst und schon brannte es oder explodierte sogar. „Ob da die Rauchgasvergiftung nicht harmloser war?“ fragt sich die Sammlerin.

„In Anbetracht der heutigen Zeit und der Auflösung gewisser Rollen-Klischees, wär‘ die Damenwelt über so ein kunstvolles Hochzeits-Bügeleisen wohl nicht mehr erfreut,“ lacht Hildegard Bernges.
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In den Wohnungen der Städte waren schließlich überall Gasanschlüsse vorhanden, ein Zündholz an den Brenner im inneren des Eisens und dem Bügeln stand nichts mehr im Wege - außer eine noch größere Explosion.

Um 1900 die Elektrifizierung, „gebügelt wurde mit wahnsinnig schweren Dingern, 110 Volt mit stoffüberzogenen Kabeln, Erdung oder gar Schutzschalter gab es natürlich nicht“, so Bernges. Die ersten Dampfeisen kamen 1950 auf. Die Geschichte zeigt, „dass wir heute beim Anblick unserer Bügeleisen nicht maulen sollten“, lacht sie.

Aber warum sammelt man eigentlich ein so ungeliebtes Haushaltsgerät? „Das ist aus einer Idee in der Konditorei meines Mannes Volker Bernges entstanden, so 1967, da wollten wir Pralinen in alte Bügeleisen füllen, auch für die Deko unserer Auslage und zwar zum Muttertag ...“