Gert Steinbäcker: „Hab‘s immer drauf ankommen lassen“

Erstellt am 29. November 2022 | 10:26
Lesezeit: 7 Min
440_0008_8535449_stp48_gert_steinbaecker_c_christian_jun.jpg
Gert Steinbäcker
Foto: Christian Jungwirth
Gert Steinbäcker geht auf eine letzte Tour, der Szene bleibt er aber erhalten.
Werbung

Mit neuem Album „44“ und neuer Tour kommt Gert Steinbäcker am Donnerstag, 1. Dezember, ins VAZ St. Pölten. Legendär sowohl als Solo-Musiker als auch als Teil von EAV und STS, wird es für den Steirer aber das letzte Mal on the road sein...

NÖN: Sie sagen ja bewusst, das ist keine Abschiedstournee, sondern eine letzte Tour. Was meinen Sie damit?

Gert Steinbäcker: Dass ich keine Tourneen mehr mache, das ist viel pragmatischer und einfacher, als man denkt. Das heißt aber nicht, dass ich aus der Szene verschwinde. Wenn man 70 ist und die Kollegen auch alle in dieser Alterskategorie sind, plant man einfach anders. Ich hab‘ es wahnsinnig gerne gemacht, ich mache es auch jetzt sehr gerne, aber das reicht dann.

Also einzelne Konzerte etc. wird es weitergeben?

Steinbäcker: Vor allem in anderer Form, nicht unbedingt diese Singer-Songwriter-Geschichten, die man jetzt kennt. Als Beispiel: Ich habe heuer im Sommer das Tollwut-Festival gemacht in München. Ich hatte nur Gitarristen und Bassisten mit, alles andere kam von einer anderen Band in Bayern. Das ist großartig, das ist frisches Blut. So etwas wird es immer geben, bis ich tot umfalle.

Sie haben schon einmal in einem Interview gesagt, Filmmusik würde sie reizen…

Steinbäcker: Das Angebot ist nie aufgetaucht, aber why not. Meine einzige Filmerfahrung ist der Thomas Stipsits Griechenland-Film, aber da haben wir einen Song von mir gemeinsam gesungen „Irgendwann bleib i dann dort“. Ich habe nichts Neues geschrieben.

Gibt es auf der Tour Songs, auf die sie sich besonders freuen?

Steinbäcker: Nein, ich neige nicht dazu, Lieblingssongs zu haben. Es ist immer eine Frage der Dramaturgie, des Konzertablaufs. Das muss einfach passen, die Lieder müssen hintereinander einfach passen und da kommt man immer auf neue Lösungen.

Auf dieser Tour kündigen Sie „befreundete Musiker“ auf der Bühne an. Was erwartet uns da?

Steinbäcker: Das ist eine Überraschung und das wollen wir auch so lassen. Thomas Spitzer, der EAV-Mastermind, wird als Gast aber sicher dabei sein.

Gibt’s momentan Leute in der österreichischen Musikszene mit denen sie gerne etwas machen würden?

Steinbäcker: Ich hatte nie so eine Wunschliste, es gibt aber ein paar, die mir sehr gut gefallen. Pizzera und Jaus waren bei mir auf die Bühne mit einem Song von mir und da gibt es auch so annähernde Freundschaften und thematische Überschneidungen. Pizzera und Jaus oder Seiler und Speer setzen fort, was unsereins damals gemacht hat. Weil es sind Songs, in denen es Geschichten gibt, nicht nur Effekte.

Es hat ja immer wieder geheißen in den letzten Jahren, dass diese Art von österreichischer Musik ausstirbt…

Steinbäcker: Der Punkt ist, dass das Gegenteil der Fall ist, wenn ich sehe, wie sehr der Zulauf ist. Das ist absolut nicht schwindend. Wir hatten jetzt Bewerbungen für Konzert und Platte und der Zuspruch ist gigantisch. Und da sind Leute dabei, die definitiv nicht aus meiner Altersgruppe sind.

Was ist denn das Faszinierende an dieser Musik?

Steinbäcker: Das weiß ich nicht. Es sind Songs mit Inhalt, es ist nicht übertrieben, es ist keine Effekthascherei. Aber man kann die eigenen Sachen nicht analysieren.

Sie haben vorher gesagt, es geht ums Geschichtenerzählen in den Songs…

Steinbäcker: Es geht um was und es gibt keine Tonnen von Leersätzen im Sinne von „Ey ey und la la“ und das wird wahrscheinlich einer der vielen Punkte sein, warum die Leute das mögen.

Was erwarten Sie sich denn vom Publikum auf dieser Tour? Hat es sich verändert in den vergangenen 44 Jahren?

Steinbäcker: Ich hab‘ vor zwei, drei Jahren die letzte Tournee gemacht und da waren wirklich alle Altersklassen vertreten. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber es ist so. Ich hab‘ jetzt bei der Barbara Stöckl eine Sendung gemacht, und da war die Umweltaktivistin Lena Schilling dabei, die ist 21. Und die hat gesagt „Ich bin ein Vollfan“, ein 21-jähriges Mädl. Möglicherweise ist eine gewisse Kraft in den Songs, das kann ich aber nicht beurteilen, mich überraschen die Lieder ja nicht mehr.

Was wird denn das Erste sein, was Sie machen, wenn diese Tour Mitte Dezember geschafft ist?

Steinbäcker: Einmal Nichts. Das muss man auch einmal können, nichts zu tun.

Können Sie etwas zur Entstehung des neuen Albums erzählen?

Steinbäcker: Ich wollte eigentlich kein Album mehr machen und dann sind plötzlich drei neue Songs aufgepoppt. Unter anderem ein Lied vom Thomas Spitzer. Wir haben früher Weihnachtsshows im satirischen Sinn gemacht mit der EAV. Aus dieser Zeit hat er ein Lied neu geschrieben und ich hab auch ein, zwei Lieder gehabt. Eines davon eine Zwangsnummer: Ich hab eine Karikatur vom Gerhard Haderer gesehen, in der die ganzen Slimfit-Akteure unserer heutigen Politik gezeichnet waren. Und der Titel der Karikatur war „Helden von heute“. Da hab ich gewusst, das ist ein Song, das musst du jetzt machen.

Also auch ein neuer politischer Song?

Steinbäcker: Ich hab‘ sehr viele politische Songs geschrieben und der war jetzt ein Anlass, noch ein Album zu machen. Fünf Songs sind mehr oder weniger zumindest neu aufgenommen und die anderen sind eine Werkschau durch die letzten Jahrzehnte. 44 Jahre Tonaufnahmen sind der Grund für den Titel des Albums.

Können Sie sich erinnern, als Sie das erste Mal im Tonstudio waren?

Steinbäcker: Natürlich, die Arbeit war immer dieselbe, die Technik ist natürlich eine andere. Das Gefühl im Aufnahmestudio zu sein hat sich nie verändert.

Die Motivation ist auch noch die gleiche?

Steinbäcker: Ja natürlich, wenn man einen Song präsentieren will und aufnehmen will, ist das immer die gleiche positive Einstellung dazu, sonst macht man‘s nicht.

Hätten Sie sich das gedacht vor 44 Jahren, dass sie einmal auf so eine Karriere zurückblicken können?

Steinbäcker: Nein, nein, nein. Ich hab nie in meinem Leben mehr als zwei Jahre geplant. Ich hab’s immer drauf ankommen lassen und hab mich immer nach den Begebenheiten eingerichtet.

Das war im Nachhinein betrachtet eine gute Strategie?

Steinbäcker: Das war hervorragend, ich kann mich nicht beklagen.

Hätten Sie sich irgendeine Karriere vorstellen können außer Musiker?

Steinbäcker: Nicht direkt, weil es nie nötig war. Aber egal was ich gemacht hätte, es hätte schon hingehaut.

Gibt es Leute, die einfach Erfolgsmenschen sind?

Steinbäcker: Man muss an das, was man macht, glauben, ich glaube nicht, dass das eine Frage des Erfolgstypen ist, sondern wie seriös man seinen eigenen Möglichkeiten nachgeht. Es gibt viele Leute, die gehen das nur von der finanziellen Seite an. Und mein guter Freund der Thomas Spitzer hat irgendwann gesagt, mit jeder guten Arbeit kommt genug Geld, da brauchst du keine Angst haben.

Mit welcher Einstellung sind Sie dann an die Arbeit herangegangen?

Steinbäcker: So ein Song entsteht ja ganz langsam. Wie kann man nicht sagen, irgendwann muss man sich dann nur hinsetzen und das Ganze in eine Form bringen. Von der Idee zur Form.

Hatten Sie schon einmal eine kreative Durststrecke?

Steinbäcker: So Löcher ja, aber die hören wieder auf, da kannst du nur warten. Und etwas Anderes tun. Ideen entstehen ja nicht durch dauerndes Tun, sondern sie entstehen auch durchs Herumhängen. Die Idee ist nicht abhängig davon, dass man ständig auf ihr herumreitet.

Sie haben nie länger als zwei Jahre geplant, jetzt auch nicht?

Steinbäcker: Ja genau, das Jahr ist ja fast um. Nächstes Jahr ist schon durchgeplant mit Festivals und der Tour in Deutschland. Die Last Tour ist erst nächstes Jahr in Deutschland, wegen der Pandemie mussten wir sie zweiteilen. Und das was nachher kommt, das möchte ich einfach auf mich zukommen lassen. Aber so in dieser Form wird es nicht weitergehen. Weil es einfach genug ist, es hat alles seine Zeit.

Können Sie sich an Ihr erstes Konzert in Niederösterreich erinnern?

Steinbäcker: Bei ungefähr 1.400 Konzerten kann ich mich nicht mehr an das erste Konzert in Niederösterreich erinnern. Aber ich kann mich noch an die Jahnturnhalle erinnern, da haben wir ein paar Mal gespielt.

Werbung