Markus Hippmann: „Grünflächen in Stadt erhalten“. Markus Hippmann (Grüne) macht Auftakt zum politischen Reigen mit Themen wie öffentlicher Verkehr und Wahlwünsche.

Von Martin Gruber-Dorninger, Thomas Werth und Nadja Straubinger. Erstellt am 07. August 2019 (03:13)
Straubinger
NÖN-Redaktionsleiter Martin Gruber-Dorninger im Stadtgespräch mit Grünen-Gemeinderat Markus Hippmann im Altoona-Park.

Mit den Stadtgesprächen führt die NÖN durch den Sommer. Den Anfang macht Grünen-Gemeinderat Markus Hippmann. Er spricht über grüne Themen, das Einzelkämpfer-Dasein und seine Wünsche für die nächste Gemeinderatswahl.

NÖN: Grüne Themen finden derzeit Einzug in die Programme aller Parteien. Wie wollen die Grünen ihre Vorreiterrolle behalten?
Markus Hippmann: Es ist immer eine Frage der Glaubwürdigkeit. Derzeit ist ja auch beispielsweise Herr Krammer (Stadtrat ÖVP; Anmerkung der Redaktion) großer Fan von grüner Politik. Es ist zu wenig, wenn die Politiker bei Starkregenereignissen draufkommen, dass Klimaschutz wichtig ist. Die Grünen machen das seit Jahrzehnten, die Vorreiterrolle macht uns deshalb niemand so schnell abspenstig. Das Thema wird aber immer wichtiger für die Leute. Das hat sich auch bei der EU-Wahl gezeigt. Den Aufschwung werden wir mitzunehmen wissen.

Was sind Ihre grünen Themen für St. Pölten?
Da wir uns gerade im Altoona-Park befinden, natürlich der Erhalt der Grünflächen. Abgesehen vom Sparkassen-Park, haben wir vom Hammerpark bis zum Krankenhaus keine Grünflächen. Das wäre zu lösen, indem man anstatt eines Wohnkomplexes einen Park macht. Das Mikroklima in der Stadt sollte ebenfalls ein Thema sein. Es wäre etwa eine Idee, die Dächer von Bushaltestellen zu begrünen.

Welche Ideen haben Sie sonst für die Stadt?
Es wäre wichtig, den motorisierten Individualverkehr mehr aus der Innenstadt zu bringen. Aber das Radfahrnetz ist ein leidiges Thema. Wir haben einen regelrechten Fleckerlteppich. Das gehört auf solide Beine gestellt und mehr Radabstellplätze müssen geschaffen werden. Bei der Promenade wäre ich für eine Einbahnregelung für den Individualverkehr und auf der zweiten Spur ausschließlich Bus- und Radverkehr.

Es wäre wichtig, den motorisierten Individualverkehr mehr aus der Innenstadt zu bringen

Derzeit ist die Rede von zwei großen Tiefgaragen. Werden die für eine Verkehrs-Entlastung in der Innenstadt sorgen?
Weniger Autos werden es dadurch nicht werden. Es ist ein schwieriger Spagat. Einerseits will man einen autofreien Domplatz, andererseits muss auch eine Alternative geschaffen werden. Ideal wäre eine Lösung mit Tiefgarage am Domplatz, was leider nicht möglich ist. Wenn die Bischofsgartengarage nicht kommen sollte, werden im Zuge des Karmeliterhof-Projekts einige Parkplätze dazukommen. Das sollte als vorläufiger Ausgleich genügen.

Zur Reduktion von motorisiertem Individualverkehr dient auch der öffentliche Verkehr. Wie sehen Sie den in der Stadt? Wo gibt’s Verbesserungspotenzial?
Das gibt es immer. Ideal wäre eine U-Bahn (lacht). Ich würde mir mehr wünschen als ein Bussystem. Das ist aber in einer Größendimension von St. Pölten unmöglich zu stemmen. Aber den Bus müssen wir besser ausbauen. Es gibt Leute, die wollen von Wilhelmsburg oder Karlstetten in die Stadt. Dafür müsste das überregionale Angebot ausgeweitet werden. Wir sind auf einem guten Weg. Sollten wir Kulturhauptstadt werden, muss sich bis 2024 noch einiges tun. Etwa bei der Elektrifizierung der Bahn von St. Pölten nach Krems, die nun wieder verschoben wird. Da darf ich gar nicht diskutieren, sondern muss sofort handeln. Wir brauchen Alternativen zum Auto.

Wie schätzen Sie die Chancen für die Bewerbung als Kulturhauptstadt ein?
Ich hoffe, dass es etwas wird. Es ist eine gute Idee und historische Chance. Es wäre der nächste große Schritt nach der Landeshauptstadt.

Auch das Kinderkunstlabor im Altoona-Park?
Es soll auf jeden Fall gebaut werden, nur nicht hier. Zum Standort würde ich gerne die Bevölkerung befragen.

In der Vergangenheit haben Sie sich für mehr Sportflächen eingesetzt. Wo gibt es Aufholbedarf?
Es heißt immer, dass man an der Traisen Fußballspielen kann. Das geht schon, aber wenn ich daneben schieße, laufe ich 50 Meter dem Ball hinterher. Eine Idee wären Fun-Courts. Diese benötigen wenig Aufwand, weil man beispielsweise nicht Rasenmähen muss. Bestehende Plätze werden eher von Vereinen benutzt, das wünsche ich mir für die Bürger.

Wo könnten Sie sich solche Funcourts vorstellen?
Ein sinnvoller Platz wäre zwischen neuer Traisenbrücke und Bahn. Einen Funcourt könnte man auch hier im Altoona-Park machen. Die Ideen habe ich schon mehrmals im Gemeinderat eingebracht. Die Mehrheitspartei reagiert aber leider nur selten auf Wortmeldungen der Opposition.

Sie sind der einzige Grün-Gemeinderat. Wie ist die Situation?
Durch Netzwerken wird es besser, ich bin ja schon eine Weile im Gemeinderat. Ich lerne die anderen Gemeinderäte näher kennen und weiß, mit wem ich über was reden kann und wo es eine Vertrauensbasis gibt.

Unterm Strich ist es mir wichtig, dass Projekte entstehen, die gut für St. Pölten sind

Wie ist die Gesprächsbasis?
Die ist teilweise gut, bei manchen Themen geht aber nichts weiter. Da helfen dann andere Strategien. Ich habe beispielsweise die Idee für Park & Ride-Anlagen in den Stadteinfahrten eingebracht. Darauf wurde nicht reagiert. Jetzt habe ich gelesen, dass eine SPÖ-Stadträtin es ganz toll finden würde, wenn es bei den Stadtzufahrten P&R-Anlagen geben würde. Unterm Strich ist es mir wichtig, dass Projekte entstehen, die gut für St. Pölten sind. Ich mache Politik für die Bevölkerung und nicht für die Farbe.

Wie groß ist das derzeitige Team der St. Pöltner Grünen. Wie viele Mandate könnten sie besetzen?
Bestimmt drei bis vier. Es gibt durchaus Potenzial. 25, für die absolute Mehrheit, sind es aber nicht (lacht).

Wie sieht ihr Wunschresultat bei der Gemeinderatswahl aus?
Weit mehr als ein Mandat. Aber im Grunde ist es dann sinnvoll, wenn man Bürgermeister mit einer absoluten Mehrheit ist.

Vor der letzten Gemeinderatswahl gab es Abspaltungen. Wie stehen da die Chancen für eine Wiedervereinigung?
Wir führen derzeit mit vielen Leuten Gespräche. Es geht uns um die grüne Sache. Wer dann bei uns auf der Liste stehen will, wird man sehen.