„Konjunktur ist auf Tiefststand“. Die Auftragslage ist laut der IV-NÖ weit schlechter als 2019. IV-NÖ fordert ein Kurzarbeitsmodell für bis zu zwei Jahre.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 09. Juli 2020 (14:16)
Shutterstock.com/Vadim Ratnikov
Shutterstock.com/Vadim Ratnikov

Die Industriebetriebe Niederösterreichs haben auch zur Zeit des Shutdowns weitgehend durchproduziert. Dennoch herrscht in Bezug auf die aktuelle und zukünftige Geschäftsentwicklung Pessimismus. Das Konjunkturbarometer der IV-NÖ, mit dem quartalsweise Daten ermittelt werden, befindet sich auf einem historischen Tiefststand. „Massive Unsicherheit ist allgegenwärtig und der Aufschwung wird schwierig“, sagt IV-NÖ-Präsident Thomas Salzer.

Was die Auftragslage betrifft, sind die meisten NÖ-Industriebetriebe, laut der Umfrage, vom Niveau des Vorjahres noch weit entfernt. Schwierig ist die Situation vor allem bei der Produktion von Investitionsgütern, also etwa Machinen oder Fahrzeuge. Bei Konsumgütern, also Artikeln für den täglichen Gebrauch, hat sich die Lage besser entwickelt. Gut sieht es aktuell, laut einer Sprecherin der IV-NÖ, in den Branchen Pharma und Medizintechnik sowie Verpackung und Nahrungsmittel aus. Auch im Anlagen- und Maschinenbau ist die Situation zumindest im Vergleich noch entspannt. Hier nehmen Aufträge allerdings lange Zeit in Anspruch. Aktuell werden noch jene von der Zeit vor Corona abgewickelt. Das Tief wird hier also zeitverzögert - im Herbst - erwartet.

Kurzarbeit nahmen in der Industrie, in der in NÖ 68.000 Menschen beschäftigt sind, 71 Prozent der Betriebe in Anspruch. Die IV-NÖ fordert, aufgrund der schwierigen Auftragslage für die Industrie, nun auch eine Verlängerung des Kurzarbeitsmodells oder ein neues Modell der Corona-Kurzarbeit für die nächsten ein bis zwei Jahre. Für Salzer sind dabei drei Dinge entscheidend: „Erstens Praxistauglichkeit sowie ein möglichst geringer Bürokratieaufwand. Zweitens sollen Betriebe auch weiterhin nur für tatsächlich geleistete Arbeitszeit aufkommen müssen. Und drittens sollten die Qualifizierungsmaßnahmen während der Kurzarbeit gestärkt werden. Das würde auch einen langfristigen Nutzen bringen.“

Die IV-NÖ macht alle drei Monate ihre Konjunktur-Umfrage . Diesmal wurden zweischen 3. und 23. Juni 33 Unternehmen mit 13.797 Beschäftigten in NÖ befragt.