Schutzzone gegen mögliche Bausünden. Zusätzlich zum Gestaltungsbeirat soll die Definition eines Bereichs Altbestand vor dem Abriss schützen.

Von Beate Steiner. Erstellt am 24. März 2018 (14:01)
NOEN, Rendering:
Das Projekt in der Linzer Straße 3-5 erregt die Gemüter und soll ein Beispiel sein, wie wichtig die Einführung einer Schutzzone ist.Michael Lisner VDX

„Es ist ewig schade um die Fassade“, trauern die VP-Politiker Vizebürgermeister Matthias Adl und Peter Krammer dem vor dem Abriss stehenden „Alten Pressehaus“ in der Linzer Straße bereits nach. Und sie sollen damit nicht alleine sein. „Wir haben nach der Veröffentlichung des Renderings in der NÖN zahlreiche negative Reaktionen bekommen“, so Adl.

Damit dies in Zukunft nicht mehr so leicht passiert, soll eine Schutzzonenverordnung erlassen werden. Bürgermeister Matthias Stadler habe diese in einem Parteiengespräch bereits vorgestellt. Für Adl wäre es für diese Verordnung höchste Zeit: „Es gibt viele Objekte, die schützenswert sind, aber nicht unter Denkmalschutz stehen. Nicht zuletzt durch die Bewerbung zur Kulturhauptstadt ist das Interesse an solchen Gebäuden deutlich gestiegen. Wenn wir nicht reagieren, haben wir lauter solche Bausünden.“

Bauvorhaben sollen nicht verhindert werden

Bei der Schutzzone, die zuvor definiert werden müsse, gehe es nicht darum, Bauvorhaben zu verhindern. „Es soll dadurch vielmehr frühzeitig der Kontakt mit der Behörde gesucht werden und so die für beide Seiten beste Lösung gefunden werden“, erklärt Krammer. Zusätzlich zum ebenfalls geplanten Gestaltungsbeirat soll sich die Schutzzone auf das Stadtbild positiv auswirken.

Auf das künftige Aussehen des Hauses in der Linzer Straße 3-5, das nicht unter Denkmalschutz steht, hat dies allerdings keinen Einfluss mehr. „Dieses Projekt ist seit Jahren bauverhandelt und bewilligt. Darauf müssen sich Bauherren verlassen können, Rechtssicherheit muss sein“, sagt Bürgermeister Matthias Stadler. Künftig solle dies aber anders ablaufen. „Alle Bauprojekte, die noch nicht verhandelt sind, sollen dann dem Baubeirat vorgelegt werden“, sagt der Stadtchef. Die Schutzzone gehen nun ebenfalls auf seine Initiative zurück wie der Beirat: „Ich hoffe, dass alle Parteien im Gemeinderat da mitziehen.“

Aufregung kann nicht nachvollzogen werden

Die Wohnungsgenossenschaft BWSG kann die Aufregung um ihr geplantes Projekt nicht nachvollziehen, wolle sie doch qualitativ hochwertigen aber leistbaren Wohnbau auch im innerstädtischen Bereich schaffen und damit zur Belebung der St. Pöltner Innenstadt beitragen. „Wir haben die Liegenschaft mit einem bereits baubewilligten Wohnbauprojekt erworben, das alle behördlichen Auflagen erfüllt“, erklärt Projektentwicklerin Kerstin Pfeffer von der BWS-Gruppe. Außerdem füge sich der geplante Neubau durch die Anpassung der Gebäudehöhe und seine dezente Fassadengestaltung harmonisch in das Profil der Linzer Straße ein, ist man bei der BWSG überzeugt.