Schweinezuchtbetrieb von Tierschützern besetzt. In Obermamau kletterten Aktivisten auf Stalldach, protestieren gegen Vollspaltenböden und verlangen nach Amtstierarzt, der im Betrieb Nachschau halten soll.

Von Walter Nemec und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 20. Juli 2021 (11:06)
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Einen weiteren Schweinezuchtbetrieb im Raum St. Pölten nahm der Verein gegen Tierfabriken ins Visier. Nachdem Martin Balluch mit seinen Aktivisten bereits im April die Praktiken in einem weiteren Schweinezuchtbetrieb in der Region St. Pölten anprangerte, besetzte der Verein nun einen Betrieb in Obermaumau.

25 Tierschützer besetzten am Dienstag-Morgen einen Schweinezuchtbetrieb in Obermaumau. Dazu kletterten sie auch auf ein Dach des Betriebes und protestierten mit Riesen-Transparenten gegen Vollspaltenböden. Hinter Schweine- und FFP2-Masken versteckten sie ihre Gesichter. „Die Tiere haben große, blutende Wunden, abgebissene Ohren und Schwänze. Zusätzlich ist alles mit Kot verklebt, die armen Schweine vollkommen verdreckt. Mit ihren blutenden Wunden müssen die Tiere unversorgt im Dreck liegen", behauptet Martin Balluch. Er zeigt auch bereits in Folie eingeschweißte Bilder herum, die vom Schweinebetrieb gemacht worden sein sollen. Auf die Frage wann die Bilder gemacht worden sind, verweigert er die Antwort.

Die Besetzung solle so lange dauern, bis der Amtstierarzt sich höchstpersönlich ein Bild vom Schweinebetrieb macht. Der Verein gegen Tierfabriken nahm diesbezüglich auch Kontakt mit der Bezirkshauptmannschaft auf. Im Bereich des besetzten Gebäudes, war auch die Polizei mit drei Streifenwagen vor Ort. „Die Demonstranten waren aber alle bislang sehr friedlich“, sagt Bezirkspolizeikommandant Gerhard Pichler. Lediglich ein Transparent, das an einem Silo angebracht wurde, musste entfernt werden. Das wurde nämlich direkt über der Belüftung des Gebäudes angebracht. „Das hätte sich dann auch mitunter negativ auf das Tierwohl auswirken können“, merkt Pichler an. Einen Zwischenfall gab es, als der Landwirt ankam. Er wehrte sich dagegen gefilmt zu werden und wurde handgreiflich gegenüber den Aktivisten. 

Gegen die Tierschützer wurde eine Anzeige nach dem Versammlungsgesetz erstattet und ein Bericht ergeht an Bezirkshauptmannschaft und Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs der Tierquälerei.

Am Hof waren natürlich auch die Betreiber selbst. Der Seniorchef wollte zur Besetzung durch den Verein keine Stellungnahme abgeben, der Juniorchef war bislang telefonisch nicht erreichbar.