Globetrotter Sepp Kaiser macht Pause. Sepp Kaiser verbrachte viel Zeit im Ausland. Vor allem bei Rekord-Reise, als er in zehn Jahren alle 192 Länder der Erde besuchte. Corona macht derzeit alle Reisepläne zunichte.

Von Michael Fusko. Erstellt am 13. November 2020 (03:55)
Sepp Kaiser nutzt die Zeit im Homeoffice, um neue Reisevorträge auszuarbeiten.
Fusko

Mit knapp 20 Jahren zog es Sepp Kaiser das erste Mal in die Ferne. Seiher hat er schon 192 Länder der Erde bereist. Corona zwingt den Globetrotter aber aktuell zu einer Pause.

Mit einem Moped brach er 1982 in Richtung Kanada auf. Nach neun Monaten kehrte er mit Freundin und zahlreichen Erfahrungen zur Hochzeit des ältesten Bruders wieder zurück. Ein Jahr später folgte die zweite Reise, die 15 Monate dauerte. „Ich bin damals in Südengland hängen geblieben und habe mich mit Gartenarbeiten über Wasser gehalten. Wieder zur Hochzeit eines Bruders bin ich dann zurück nach Österreich“, erinnert sich Kaiser. Mit seiner dritten Tour schaffte es Sepp Kaiser schließlich in das Buch der Rekorde. Als erster Mensch besuchte er in einer einzigen Reise alle 192 Länder der Erde. „Unterwegs war ich hauptsächlich per Anhalter, Bus und Bahn. Gedauert hat das Abenteuer 3.772 Tage, also mehr als zehn Jahre. Mit den absolvierten 691.000 Reisekilometern wäre ich fast bis zum Mond und wieder zurück gekommen“, so Kaiser.

Fünf Rucksäcke, sechs Gitarren, zehn Reisepässe und 15 Kameras hat der gelernte Tischler bei seinen Reisen verschlissen. Mit Jobs als Kiwi-Pflücker, Butler und singender Weihnachtsmann kam das nötige Kleingeld herein.

Zeit zum Kennenlernen fremder Kulturen

Rechtzeitig zur Hochzeit des dritten Bruders kehrte Sepp Kaiser 1995 wieder zurück. Mit einer Tour nach Australien, für die er innerhalb von drei Tagen eingesprungen war, begann die Karriere als Reiseleiter. Seit 2007 arbeitet Kaiser für Raiffeisen-Reisen mit einer eigenen Schiene, die er auch selbst zusammenstellt. Viele Teilnehmer sind Stammkunden, die den Stil von Kaiser schätzen. „Mir geht es bei meinen Reisen vor allem um genug Zeit, damit die Kunden das Land und seine Menschen mit seinen Schönheiten und Stimmungen kennenlernen können“, erklärt Kaiser seine Philosophie. Seine Touren dauern zwar länger, dafür habe man auch die Möglichkeit, etwa auf das richtige Licht für ein Foto zu warten.

Die Corona-Krise trifft die Reisebranche stark

Seine letzte Reise führte Sepp Kaiser im Februar nach Äthiopien. Seit März ist er in Kurzarbeit, im Frühjahr und Sommer war er vor allem damit beschäftigt, Stornierungen zu bearbeiten.

Das Ausarbeiten und Organisieren von neuen Reisen hat Kaiser schon bisher teilweise von zu Hause erledigen können. Hart trifft ihn, nicht reisen zu können. „Ich war gerade im grauen November die letzten 20 Jahre immer auf Tour. Aber was ist schon der Ausfall eines Urlaubes, wenn anderswo Existenzen bedroht sind. Man darf nicht Gefahr laufen, nur die eigenen Entbehrungen wahrzunehmen“, so der Weltenbummler.

Nach Corona werden viele Menschen das Reisen noch mehr genießen. „Es könnte noch viel schlechter sein. Wir sind halt sehr verwöhnt. Vielleicht schätzen wir nach dieser Krise vermeintlich Selbstverständliches umso mehr“, blickt er in die Zukunft.