Suche nach Heim für fünfköpfige Familie in Haunoldstein. Irakischer Familie wurde nach Flucht humanitäres Bleiberecht gewährt, dadurch fallen sie aber aus der Grundversorgung.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 14. Februar 2021 (04:45)
Die Haunoldsteinerin Angela Lahmer-Hackl setzt sich für eine Familie ein.
Lahmer

Angela Lahmer-Hackl ist verzweifelt. Seit Monaten hat sie sich einer irakischen Familie angenommen, die seit Oktober in Haunoldstein wohnt. Nach dem neuen NÖ Sozialhilfegesetz, hat die Familie zwar Bleiberecht, erhält jedoch keine Sozialhilfe und verliert jegliche Versorgung. Ende Februar müssen sie ausziehen.

Nach einem Gerichtsurteil darf die Familie zwar bleiben, sie verliert aber ihre Grundversorgung und damit nicht nur Geld, sondern auch ihre Wohnung. „Bis Ende Februar dürfen sie mit Hilfe von Spendengeldern noch bleiben, danach müssen sie ausziehen“, erklärt Lahmer Hackl. Normalerweise beträgt diese Frist zehn Tage.

Der Vater der Familie hat eine Arbeitserlaubnis und sucht seit Monaten vergeblich einen Job. „Das ist in Zeiten von Corona ein Ding der Unmöglichkeit“, so Lahmer-Hackl. Er spricht gut Deutsch und hat auch die Integrationsprüfung abgelegt. Die drei Kinder der Familie besuchen Schulen, der älteste Sohn geht in die HTL St. Pölten. „Sie sprechen so gut Deutsch, das man gar nicht merkt, dass die Kinder nicht hier geboren sind“, ist das nur ein Zeichen für Lahmer-Hackl, wie gut diese Familie integriert ist. Für sie hat ein Rennen gegen die Zeit begonnen.

„Seit das neue Sozialhilfegesetz in Kraft getreten ist, fallen diese Menschen aus der Existenzsicherung heraus und werden in eine ausweglose Situation gedrängt“

Doch das Schicksal der Haunoldsteiner Familie ist nicht selten. Aktuell betrifft das in ganz NÖ etwa 300 Personen. „Seit das neue Sozialhilfegesetz in Kraft getreten ist, fallen diese Menschen aus der Existenzsicherung heraus und werden in eine ausweglose Situation gedrängt“, erklärt Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. Auch eine Krankenversicherung bleibt ihnen verwehrt. Lediglich die Familienbeihilfe bleibt zum Überleben. Die Diakonie fordert Bund und Land auf, eine Sofortlösung zu erarbeiten. Moser: „Die Corona-Krise zeigt, wie wichtig eine gute Mindestsicherung wäre, statt einer schlechten Sozialhilfe, die Menschen in Notsituationen nicht trägt.“