Erstellt am 13. März 2018, 05:00

von Daniel Lohninger

Wachsamkeit ist beste Medizin. Daniel Lohninger über 1938 und die Lehren für das Heute.

Genau vor 80 Jahren fuhren deutsche Panzer durch St. Pölten. Bejubelt von tausenden Menschen – und, auch das sei an dieser Stelle nicht verschwiegen, von Journalisten der St. Pöltner Zeitung. Als Ausrede mag durchgehen, dass die Position des Chefredakteurs „unserer“ Zeitung eine der ersten in der Stadt war, die unter Federführung der SA neu besetzt wurde – Erklärung ist das keine. Ebenso nicht, dass sich kaum jemand daran stieß, dass der Bürgermeister abgesetzt wurde, dass Vereine abgeschafft wurden und dass Mitmenschen öffentlich misshandelt wurden oder einfach verschwanden.

Doch was hat das mit dem Heute zu tun? Wir leben in sattem Wohlstand, in einer alles in allem einwandfreien Demokratie, in einer globalisierten Welt, in einer sicheren Stadt. Das taten die Menschen nicht, die vor 80 Jahren Hitler zujubelten. Sie bewiesen aber, dass die Gesellschaft auch in einer überschaubaren Stadt in nur wenigen Tagen alle ihre Grundsätze über Bord werfen kann. Diese Gefahr ist heute nicht kleiner, als sie 1938 war, sie ist Auftrag zur permanenten Wachsamkeit.