Wird das "Schwarzfahren" zum Problem in St. Pölten?. Busfahrer kritisieren Menge an Schwarzfahrern im Lup. Stadt und Betreiber sehen kein Problem.

Von Thomas Werth. Erstellt am 18. Juni 2019 (04:38)
Werth
Erni Jilch kaufte ordnungsgemäß ihr Ticket bei Andreas Gruber. Viele andere Passagiere taten dies beim NÖN-Lokalaugenschein nicht.

Ist der Lup ein Paradies für Schwarzfahrer? Zumindest Fahrer des Stadtbusses behaupten das. An manchen Tagen würde sogar über die Hälfte der Fahrgäste ohne gültiges Ticket fahren.

Für Kontrollen sei nämlich zu wenig Zeit, offizielle Kontrolleure des Verkehrsverbunds Ost-Region (VOR) würden nur einmal pro Monat nach St. Pölten kommen. Und das würden die Passagiere mittlerweile ausnützen.

„Normalerweise ist eine derartige Kontrolldichte nicht möglich, weil wir zu viel Verspätung haben würden“

Die NÖN ging diesem Vorwurf nach und achtete bei einem Lokalaugenschein genauer auf das Verhalten der Passanten. Busfahrer Andreas Gruber nahm in dieser Zeit besonders viele Fahrscheinüberprüfungen vor. „Normalerweise ist eine derartige Kontrolldichte nicht möglich, weil wir zu viel Verspätung haben würden“, erklärt er.

Die Bilanz in rund drei Stunden Fahrt: 16 Personen mussten nachträglich den Fahrkartenpreis von 1,80 Euro bezahlen. Der Strafe für Schwarzfahren entgingen sie. „Dazu müsste ich nämlich die Polizei rufen. Bis dahin würde der Bus stehen“, erklärt Gruber.

Erwischt wurden Personen aller Altersklassen

Für die meisten schien es normal, erst nach der Kontrolle ein Ticket zu bezahlen. „Ich wollte gerade eines kaufen“, erklärte eine etwa 30-Jährige, als sie drei Stationen nach ihrem Einsteigen kontrolliert wurde. An Haltestellen, an denen Gruber nur die vordere Türe öffnete und gleich beim Einsteigen kontrollierte, konnte man sehen, dass rund ein Drittel der Wartenden gar nicht erst den Bus betrat.

Besonders auffallend: Viele Schüler wurden ohne Ticket erwischt. „Es ist mir wohl vorhin runtergefallen“, „ich habe es vergessen“ oder ein forsches „Das hab ich jetzt nicht mit“ musste sich Gruber anhören.

Bei manchen drückte er ein Auge zu, aber er ist sich sicher: „Die meisten haben kein Schülerticket.“ Für Gruber, der seit über 20 Jahren Busse lenkt, unverständlich: „Sie haben die modernsten Handys, aber keine 20 Euro, um mit dem Jugendticket das ganze Jahr lang mit dem Stadtbus fahren zu können?“

„Sie haben die modernsten Handys, aber keine 20 Euro, um mit dem Jugendticket das ganze Jahr lang mit dem Stadtbus fahren zu können?“

Unterm Strich richten die Schwarzfahrer einen großen finanziellen Schaden an, ist Gruber überzeugt: „Wenn ich einmal häufiger kontrollieren kann, mache ich rund 200 Euro Umsatz am Tag. Wenn nicht, dann nur rund 60 Euro von Leuten, die freiwillig zahlen. Bei 30 Bussen, die gleichzeitig unterwegs sind, macht das einen ordentlichen Betrag aus.“

„Rund drei Prozent haben kein Ticket“

Ganz anders sehen dies die Lup-Verantwortlichen. „Bei den regelmäßigen Fahrkartenkontrollen des VOR wurde festgestellt, dass sich der Prozentsatz an Schwarzfahrern nicht wesentlich von anderen Gebieten, in denen VOR kontrolliert, unterscheidet“, so Heinz Steinbrecher vom Medienservice. Das bestätigt VOR-Sprecher Georg Huemer.

„Wie in anderen Regionen auch, treffen unsere Kontrolleure rund drei Prozent Fahrgäste an, die keine entsprechende Karte vorweisen können“, betont Huemer, der zugleich ankündigt, dass die Kontrolleure in der nächsten Zeit vermehrt im LUP unterwegs sein werden.

Dr. Richard und Zuklin-Bus, die im Auftrag des VOR den Lup betreiben, betonen, dass es nicht in ihrem Interesse sei, Einnahmen zu verlieren. „Für das Inkasso durch die Lenker gibt es daher auch entsprechende vertragliche Grundlagen, die von uns natürlich eingehalten werden“, betont Dr. Richard-Geschäftsführerin Karin Anna Zeiler-Fidler.

Ähnlich argumentiert Sabine Zuklin-Pollany: „Wir haben in unseren Dienstanweisungen für die Fahrer sehr exakt festgehalten, wann kontrolliert werden muss und unter welchen Umständen ausnahmsweise auf eine Kontrolle verzichtet werden soll, damit es zu keinen größeren Verspätungen im Linienbetrieb kommt.“ So ist laut Zuklin-Pollany auch ohne Vollkontrolle Schwarzfahren nicht möglich.

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