Region St. Pölten packt für Ukraine in der Krise an

Erstellt am 02. März 2022 | 05:15
Lesezeit: 4 Min
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Die gebürtige Ukrainerin Christina Lenart sammelt vor allem medizinische Produkte. Die können weiterhin in der Kremser Gasse abgegeben werden.
Foto: Straubinger
Eine Welle der Solidarität rollt durchs Land. Gleichzeitig machen sich Unternehmen Sorgen um ihre Mitarbeiter vor Ort.
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Zuerst kam die Schockstarre, dann sofort die Hilfsbereitschaft. Zahlreiche Initiativen in St. Pölten und Umgebung schossen aus dem Boden, um die kriegsgebeutelte Ukraine zu unterstützen.

„Meine ganze Familie ist noch dort und sie wollen bleiben bis zum Schluss.“ Benetton-Sop-Betreiberin und Wahl-St. Pöltnerin Christina Lenart

Nach vielen Tränen hat sich Benetton-Shop-Betreiberin Christina Lenart entschlossen, selbst etwas zu unternehmen. Seit gut zehn Jahren lebt die gebürtige Ukrainerin in Österreich. „Meine ganze Familie ist noch dort und sie wollen bleiben bis zum Schluss“, sagt die Wahl-St. Pöltnerin.

Sie startete eine Aktion zum Sammeln von Medizinprodukten in ihrem Geschäft in der Kremser Gasse. „Es ist schon einiges gebracht worden und ich bin in Kontakt mit Pharmafirmen“, sagt Lenart. Die vielen Verwundeten bräuchten viele medizinische Hilfsgüter.

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Der erste Transport aus Ober-Grafendorf ging bereits Richtung Ukraine. Aus einer Privatinitiative entstanden, hilft jetzt die ganze Gemeinde zusammen.
Foto: Rainer Handlfinger

In Ober-Grafendorf kontaktierte ein Ehepaar aus der Ukraine und Polen Bürgermeister Rainer Handlfinger, ob die Gemeinde eine Aktion starten könnte. Ein erster Hilfstransport ging schon am Montag an die ukrainische Grenze.

Um Mitarbeiter und Freunde sorgen sich, neben den wirtschaftlichen Folgen, auch Unternehmen aus der Region. „Erschüttert“ zeigt sich angesichts der Vorgänge in der Ukraine die Voith-Konzernleitung.

„Wir werden alle noch sehr lange den Preis zahlen“

Die Sicherheit der Mitarbeiter habe in dieser Situation höchste Priorität. „Wir stehen in engem Austausch mit den wenigen ukrainischen Kollegen, die vor Ort für Voith arbeiten.“

In Russland ist Voith mit allen drei Konzernbereichen vertreten. Wie stark die Auswirkungen auf den Maschinen- und Anlagenbau Voith sein werden, „kann aber aktuell noch nicht abgeschätzt werden“.

Der Naturkosmetik-Produzent Styx aus Ober-Grafendorf ist seit 2005 in Kiew präsent. Wolfgang Stix wolle seinen Mitarbeitern einen sicheren Zufluchtsort in Österreich anbieten und garantieren. Die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat auch für DSM (die ehemalige Erber Group mit Sitz in Getzersdorf) trotz begrenzten Engagements in der Ukraine oberste Priorität.

Das Europaballett, einst Ausbildungsstätte von Karina Sarkissova, hat aktuell keine Ensemblemitglieder aus betroffenen Gebieten, sie seien aber weiterhin willkommen. „Es wird nur eine Sprache gesprochen, die Sprache des Tanzes“, so Sprecher Philipp Preiss.

Zum „Missfallen des neu ernannten Zaren“ rege sich in der russischen Jugend auch Widerstand, meint der stark mit Osteuropa verbundene St. Pöltner Unternehmer Harry Gangl. Was man nach dem „ungerechtfertigten Angriff auf die Souveränität und die Grenzen der Ukraine“ nicht vergessen sollte: „Wir werden alle noch sehr lange dafür den Preis zahlen.“

Puchner: Kein Grund zur Besorgnis

Aktuell keinen Grund zur Besorgnis in St. Pölten sieht der städtische Sicherheitsbeauftragte Peter Puchner.

Er weist allerdings auf immer sinnvolle persönliche Vorkehrungsmaßnahmen hin: „Ausreichend Getränke, Nahrungsmittel und notwendige Medizin- und Hygieneprodukte zuhause auf Lager haben.“ Gegen einen Blackout sei die Stadt gerüstet, Cyberangriffe seien weltweit eine ernst zu nehmende Bedrohung. Die Fernwärme habe ein eigenes Ausfallprozedere.

Gedenken mit russischem Botschafter

Erreicht hat der Konflikt auch die Stadtpolitik. Das gemeinsame Gedenken von SPÖ- und FPÖ-Politikern mit dem russischen Botschafter am russischen Soldatenfriedhof am Tag nach der berüchtigten Putin-Rede sah die ÖVP als „mangelnde Sensibilität“. SPÖ-Vizebürgermeister Harald Ludwig betonte, es gebe diplomatische Beziehungen, „es geht nicht ums Hofieren“.

FPÖ-Stadtrat Klaus Otzelberger meinte: „Als neutrales Land sollten wir mit allen reden und versuchen zu vermitteln.“ Im Gemeinderat haben dann alle Parteien einstimmig auf Dringlichkeitsantrag der ÖVP hin die Unterstützung der Ukraine beschlossen.

Ein sichtbares Zeichen dafür wird das Herz aus Kerzen am Mittwoch, 2. März, um 18 Uhr auf dem Rathausplatz sein.

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