Hoffen auf analogen Kulturgenuss in St. Pölten. Cinema setzt auf Open-Air-Kino im Sommer, Theater probt.

Von NÖN Redaktion. Update am 24. Februar 2021 (09:48)
Festspielhaus St. Pölten
Joanna Pianka

„Wir können seit November nicht das machen, was wir lieben – unserem Publikum tolle Filme und Live-Veranstaltungen präsentieren. Es kann uns also nicht gut gehen. Aber wir sind trotzdem zuversichtlich“, bringt Cinema-Paradiso-Geschäftsführer Alexander Syllaba auf den Punkt, wie St. Pöltens Kulturstätten unter den Pandemie-Maßnahmen leiden. Das Programmkino setzt auf das Open-Air-Kino im Sommer am Rathausplatz: „Unter freiem Himmel und mit Sitzplätzen sollte wieder ein unbeschwerter Kulturgenuss möglich sein.“

Landestheater und Festspielhaus ermöglichen seit Monaten virtuellen Kulturgenuss. „Die digitale Bühne ist eine gute Möglichkeit der Überbrückung“, erklärt Marie Rötzer. Die Theaterintendantin hat mit ihrem Team unter #wirkommenwieder einen monatlichen Spielplan fürs Wohnzimmer gestaltet, der sehr gut ankommt. „Die Aufzeichnung von Elfriede Jelineks ,Der Königsweg‘ wurde sogar in Südamerika und Ägypten gestreamt.“

Der Ausfall von Vorstellungen, Gastspielen und Premieren seit dem Herbst hat eine massive Veränderung des gesamten Programms für diese Spielzeit mit sich gebracht, ein ständiges Umplanen und daraus folgend ungewöhnliche Produktionsprozesse. Und doch wird trotz geschlossener Theatervorhänge auf Hochtouren geprobt: „Damit wir gut vorbereitet sind und einen vielseitigen Spielplan präsentieren können, wenn es wieder losgeht.“

„Wir können seit November nicht das machen, was wir lieben – unserem Publikum tolle Filme und Live-Veranstaltungen präsentieren. Es kann uns also nicht gut gehen"

Bis dahin ist auch das Festspielhaus ausschließlich als virtueller Raum präsent, mit Kulturvermittlungssymposien und Online-Produktionen. Ein Highlight erfreut Festspielhaus-Intendantin Brigitte Fürle in dieser schwierigen Saison – die Weltpremiere des „Frühlingsopfers“ von Pina Bausch, die für den 28. Mai geplant ist: „Wenn es klappt, wird das die schönste Wiederauferstehung des Festspielhauses, die ich mir wünschen kann.“

Wie die großen Häuser holt auch der Frei:Raum Künstler derzeit vor den digitalen Vorhang. „Wir geben Menschen die Chance, spannende Persönlichkeiten der heimischen Szene durch Live-Sessions, Interviews und Playlists auf Facebook, Instagram, YouTube und Spotify besser kennenzulernen“, erklärt Martin Rotheneder, der künstlerische Leiter der städtischen Kulturbühne. Dieses Konzept der Dachmarke musik.stp ist entstanden, während der Frei:Raum im Corona-Schlaf liegt.

Im VAZ wurden ebenfalls neue Wege beschritten, mit Auto-Kunst-Kino im Sommer und Online-Shows. „Uns ist es wichtig, den Menschen wieder ein sicheres Gefühl für kleine und große Veranstaltungen zu vermitteln“, betont VAZ-Manager René Voak. Dass Events im VAZ mit allen Sicherheitsbestimmungen ein Stück Normalität zurückbringen können, habe man bereits im Herbst bewiesen. Davon, dass bei Kulturveranstaltungen keine Ansteckungsgefahr besteht, sind auch alle anderen Kulturgrößen der Stadt überzeugt: „Kino gehört zu den sichersten Orten“, betont Alexander Syllaba, und Bühne-im-Hof-Intendantin Daniela Wandl ergänzt: „Kultur ist nicht gefährlich, hat aber heilende Funktion.“

Im Festspielhaus bieten ein Sicherheitskonzept sowie ein modernes Belüftungssystem den größtmöglichen Schutz, erklärt Brigitte Fürle. Und auch Marie Rötzer hofft, „dass wir mit unseren bewährten Präventionskonzepten die Türen bald wieder öffnen dürfen.“ Denn Theater brauche den unmittelbaren Kontakt zum Publikum: „Nur durch körperliche Nähe spürt man von der Bühne aus, ob eine starke Empfindung das Herz trifft.“ Und Daniela Wandl präzisiert: „Ein Live-Format gehört live!“

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