St. Pöltner Bordell-Causa: Zweiter Zuhälter verhaftet!. Weitere Opfer haben sich gemeldet. Ein Geschädigter wurde sogar am Dienstort erpresst.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 10. August 2020 (18:02)
Symbolbild

„Nach dem medialen Aufruf haben sich noch einige Opfer gemeldet“, sagt Wolfgang Kunter, Leiter des Ermittlungsbereichs „Menschenhandel“ im Landeskriminalamt. 

Die Zahl der Personen, die von einem St. Pöltner Zuhälter erpresst wurden, steigt. 

Jetzt ist der zweite St. Pöltner Zuhälter in Haft. Auch er soll an den Kundenerpressungen in einem St. Pöltner Bordell beteiligt gewesen sein. Das bestätigt Raimund Schwaigerlehner von der Landespolizeidirektion Niederösterreich auf NÖN-Anfrage.

39-Jähriger verhaftet

Der 39-jährige Österreicher vietnamesischer Herkunft wurde am Montagmorgen über Anordnung der Staatsanwalt St. Pölten auf offener Straße unweit des Europaplatzes angehalten. Die Festnahme verlief laut Polizei ohne Widerstand. Der Mann wurde in die Justizanstalt St. Pölten überstellt.

Die NÖN berichtete: Der Haupttäter, ein 32-jähriger russischer Bordellbetreiber aus St. Pölten, steht unter Verdacht, zwischen November 2018 und Juni 2020 mindestens 17 Gäste seines Etablissements in St. Pölten mit Getränken betäubt und um mehrere tausend Euro betrogen zu haben.

Die Täter gingen immer nach der gleichen Masche vor: Bereits alkoholisierte Gäste wurden auf ein Gratis-Getränk eingeladen. Daraufhin verfielen sie in einen mehrstündigen komatösen Zustand. Vermutlich hatten sie Absinth konsumiert. Nachdem sie wieder bei Bewusstsein waren, wurden Getränke und sexuelle Dienstleistungen im Wert zwischen 6.000 und 22.000 Euro in Rechnung gestellt.

„Nach dem medialen Aufruf haben sich noch einige Opfer gemeldet“Wolfgang Kunter

Durch die neuen Opfer hat sich eine zusätzliche Schadenssumme von rund 30.000 Euro ergeben. „Wir gehen aber von einer noch höheren Dunkelziffer aus“, meint Kunter, dass sich möglicherweise weitere Opfer aus Scham noch nicht gemeldet haben.

Die Geschädigten stammen aus verschiedensten sozialen Schichten, sogar aus dem Bildungsbereich ist ein Opfer. Die beiden Zuhälter hatten in Begleitung zweier Prostituierten dessen Arbeitsstätte aufgesucht und ihn dort verbal unter Druck gesetzt, damit er seine offenen Rechnungen von rund 15.000 Euro begleicht.

Der festgenommene Mittäter wird wegen versuchter Erpressung, gewerbsmäßigen Betrugs, falscher Beweisausage, Verleumdung und als Mitglied einer kriminellen Vereinigung angezeigt.

Die Bordellbetreiberin sowie eine Bardame und zwei Prostituierte werden auf freiem Fuß angezeigt. Das Etablissement ist derzeit geschlossen. Die Betreiberin soll ihre Lizenz niedergelegt haben.