Land verhandelte Naturschutz rund um S 34. Zur Traisental-Schnellstraße konnten Betroffene diesmal zwei Tage lang im VAZ ihre Bedenken vorbringen. Bei dem Verfahren des Landes ging es um Naturschutz und auch Auswirkungen der Landesstraßen, die zur S 34 führen.

Von Martin Gruber-Dorninger und Nadja Straubinger. Erstellt am 12. Februar 2021 (17:27)

Gehör verschafften sich die Gegner der Traisental-Schnellstraße schon vor der Anhörung. Vor dem Eingang zum VAZ hatten sie eine Kundgebung organisiert. „Angesichts der Klimakrise ist der Bau der Schnellstraße S 34 nicht mehr zu verantworten“, meint der designierte Grünen-Gemeinderat Walter Heimerl-Lesnik. Über eine Million Quadratmeter Land würden durch das Projekt verbaut und der Grundwasserhaushalt nachhaltig gestört werden. Drinnen brachten Naturschützer und Betroffene ihre Befürchtungen dann im Detail vor. Das Land Niederösterreich verhandelt in diesem Verfahren Naturschutz und auch Auswirkungen durch den Bau von Landesstraßen, die zur S 34 führen.

Bodenverlust und Sorge um Wachtelkönig

„Wenn ich für jeden Quadratmeter Land, den ich durch die S 34 verlieren werde, hier eine Minute reden dürfte, dann hätte ich 1.330 Stunden Zeit, Ihnen meine Sicht darzulegen“, rechnet Landwirt Andreas Hieger vor. Er wird bis zu einem Drittel seiner Grundfläche abgeben müssen. Als weitere Betroffene trat Gemüsebäuerin Waltraud Harm aus Völtendorf ans Rednerpult. Die S 34 wird ihr Ackerland durchschneiden. Vor Ort waren als S 34-Gegner auch die Bürgermeister Rainer Handlfinger aus Ober-Grafendorf und Rudolf Ameisbichler aus Wilhelmsburg.

„Es ist absurd, dass wir dem Klimaabkommen von Paris zugestimmt haben und gleichzeitig solche Projekte wie die Traisental-Schnellstraße realisieren wollen“, meint Handlfinger, der auch Präsident des Klimabündnis Österreich ist. Während hier wertvoller landwirtschaftlich genutzter Boden zugepflastert werden soll, werde in Brasilien gleichzeitig der Regenwald abgeholzt, um Lebensmittel für die Menschen hier anzubauen. Rudolf Ameisbichler hegt große Bedenken wegen der Lärmentwicklung. „Es muss dann für Wilhelmsburg ein umfassender, großräumiger Lärmschutz errichtet werden.“

Eines der Hauptthemen in dieser Verhandlung ist der Wachtelkönig. Die geschützte Art findet am ehemaligen Garnisonsübungsplatz, durch den die Schnellstraße führen soll, ein geeignetes Fortpflanzungshabitat. Im noch nicht abgeschlossenen Beschwerdeverfahren zur positiven Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) am Bundesverwaltungsgericht hatte die Asfinag Ausgleichsflächen als Lösung präsentiert, die vor dem Bau der Schnellstraße eingerichtet werden. Dieses „Ersatzquartier“ hatte auch die Forschungsgemeinschaft Lanius für ausreichend befunden.  
Als Einwand wurde nun vorgebracht, dass nicht gesichert sei, dass der Wachtelkönig dieses annehme. Verhandlungsleiter Paul Sekyra von der Abteilung Anlagenrecht vom Land Niederösterreich erklärte: „Es handelt sich hier um Prognosen, die dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechen. Kommt es zu Auswirkungen, die denen nicht entsprechen, muss die Behörde Maßnahmen vorschreiben, um die unzulässigen Umwelteinwirkungen zu unterbinden.“

Grundeinlöse könnten im Herbst starten

Asfinag-Projektleiter Leopold Lechner hofft auf einen positiven Bescheid schon Ende März, rechnet aber bereits mit einem Einspruch und damit einem weiteren Verfahren am Bundesverwaltungsgericht. „Bis in den Herbst sollten wir die rechtskräftigen Bescheide vorliegen haben. Dann geht es an die Grundeinlöse und die Vorbereitung der Wachtelkönigfläche“, ist er dennoch zuversichtlich.