17-Jähriger wurde mit eigenen Nacktbildern erpresst. Verhängnisvolle Facebook-Freundschaft: Jugendlicher fertigte Nacktbilder von sich an, junge Frau forderte zum Zahlen auf.

Von Alex Erber. Erstellt am 23. Februar 2021 (18:21)
Symbolbild
Shutterstock, Michal Ludwiczak

Es war eine Premiere der besonderen Art, die in der Vorwoche am Landesgericht St. Pölten in Szene ging. Drei Facebook-Freunde lernten einander das erste Mal kennen – im realen Leben. Zumindest das Opfer, ein 17-Jähriger aus dem Raum Vösendorf, hätte darauf wohl liebend gerne verzichtet.

Der schmächtige, junge Mann war auf der sozialen Plattform mit zwei jungen Frauen befreundet, einer 23-Jährigen aus Wolkersdorf und einer 19-Jährigen aus einem St. Pöltner Stadtteil. Das Duo ist unbescholten, was sie eint, ist die Geldknappheit. Die Landeshauptstädterin war Friseurin und absolviert nun eine überbetriebliche Lehre, die Weinviertlerin brach die Handelsschule ab, wollte ursprünglich arbeiten, bekam dann aber Depressionen.

„Es war aber blöd von mir, ich schäme mich dafür.“ Angeklagte aus St. Pölten vor Gericht

Als sich die 23-Jährige mit dem 17-Jährigen anfreundete, verspürte sie dann doch etwas Lebenslust. „Hast du nicht erotische Bilder von dir?“, wollte die Wolkersdorferin wissen. Worauf er ihr Nacktbilder von sich schickte. Was machte die Wolkersdorferin? Sie postete die Bilder deutlich sichtbar in der Facebook-Chronik für Freunde, was dadurch der St. Pöltnerin nicht verborgen blieb.

Die 19-Jährige war wieder einmal notorisch klamm, brauchte aber dringend Geld, weil sie sich doch ein neues i-Phone kaufen wollte.

Jetzt wurde die Facebook-Freundschaft verhängnisvoll: „Soll ich ihn erpressen?“, fragte sie ihre Freundin aus Wolkersdorf.

Diese antwortete: „Jaaa! Urgeil!“

Also drohte die St. Pöltnerin dem Mann aus dem Süden Wiens, sie würde die Bilder komplett öffentlich machen, wenn er nicht bezahle. Machte er. Erst flossen 100 Euro, dann verlangte sie 1.000 Euro, er hatte aber nur 500 Euro, die prompt überwiesen wurden.

Als die Bilder aber nicht wie versprochen gelöscht wurden, marschierte er schließlich zur Polizei und erstattete Anzeige.

„Es war aber blöd von mir, ich schäme mich dafür“, zeigt die St. Pöltnerin vor Gericht Reue, während die Wolkersdorferin schweigsam bleibt.

Das Erpresserinnen-Duo wird zu jeweils sechs Monaten bedingter Haft verurteilt, selbstverständlich müssen auch die 600 Euro rückerstattet werden. Der Richter ordnet außerdem Bewährungshilfe an: „Sie ist bei Ihnen dringend notwendig!“