Betrug: Sechs Monate bedingt für falschen Fahrlehrer. Ein 36-Jähriger steht wegen schwerem gewerbsmäßigen Betrug vor Gericht. Er soll sich gegenüber mehreren Personen als Fahrlehrer oder Angestellter eines Küchenmontageunternehmens ausgegeben haben.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 18. November 2020 (18:44)
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Es sind viele Zeugen zur Verhandlung geladen, die Hälfte schickt der Richter aber ohne Aussage wieder nach Hause. Der Angeklagte ist geständig. Der 36-Jährige hatte sich in St. Pölten über mehrere Monate als sehr vielseitig talentiert ausgegeben. Er soll unter anderem behauptet haben, als Fahrlehrer tätig zu sein und vier Personen vorgespielt haben ihnen dabei zu helfen, einen Führerschein zu bekommen.

Einer dieser Personen war sein Arbeitskollege. Seinem Nachbarn soll er außerdem erzählt haben bei einem Unternehmen für Küchenmontage zu arbeiten und ihm ein Regal zu liefern, welches niemals kam. Von einer weiteren Person, einem Bekannten, hatte er sich Geld ausgeborgt und dieses nicht zurückgezahlt. Insgesamt lockte er sechs Geschädigten rund 4.700 Euro heraus. Er will das Geld auf jeden Fall zurückzahlen. Der für diese Taten sollen Schulden gewesen sein.

Zwei Zeugen befragt der Richter aber doch. Einer ist der Bekannte, von dem er sich 600 Euro geborgt haben soll, um offene Rechnungen zu begleichen. Er kommt herein und schaut den Angeklagten entrüstet an. „Was soll die Scheiße? Ich bin enttäuscht von dir!“, sagt er mehrmals, viel Hilfreiches erfährt der Richter aber nicht von ihm. Auch der Nachbar, dem der Angeklagte ein Regal versprochen hat, ist nicht sehr gesprächig. 350 Euro hat er dem Angeklagten im Voraus dafür gegeben und dieser lieferte nicht bis zum vereinbarten Zeitpunkt.

Führerschein ohne Theorie versprochen

Interessanter ist die Aussage des ehemaligen Arbeitskollegen, der beschreibt, dass er dem Angeklagten einmal 500 und einmal 600 Euro gegeben habe, damit dieser ihn für den Führerschein anmeldet. Der Angeklagte habe ihm das angeboten und gesagt, er müsse nur die Fahrstunden mit ihm machen und keinen Theoriekurs. „Nach einiger Zeit war ich stutzig und hab ihm das nicht mehr geglaubt“, sagt der Zeuge. Daraufhin gingen sie gemeinsam zu der Fahrschule, bei der der Angeklagte angeblich beschäftigt war. Er habe so getan als würde er die Leute dort kennen, obwohl das nicht der Fall war, erzählt der Zeuge. Gemeinsam hätten sie außerdem ein Formular der Fahrschule ausgefüllt, dass der Angeklagte und nicht die Fahrschule unterschrieben habe.

Die Verteidigerin wirft ein, dass die Geschädigten es dem Angeklagten nicht besonders schwer gemacht hätten. Sie sieht keine besondere Listigkeit in der Vorgangsweise. Ein weiterer Milderungsgrund sei das Geständnis. Der Richter spricht ihn wegen gewerbsmäßigen schweren Betruges schuldig. Er muss das Geld zurückzahlen und bekommt eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten mit dreijähriger Probezeit. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.