Haft für Helfer von Gefängnis-Ausbrecher. Zwei Männer und eine Frau halfen einem Häftling der Justizanstalt St. Pölten bei der Flucht. Jetzt gehen sie dafür selbst ins Gefängnis.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 18. Februar 2021 (19:44)
Landesgericht St. Pölten 
NÖN

In der Nähe des Universitätsklinikums St. Pölten fallen im November Schüsse. Ein Häftling der Justizanstalt St. Pölten reißt sich nach einer ambulanten Behandlung von den Justizwachebeamten los und flieht. Die Schüsse sind Warnschüsse der Beamten, vergebens: Die Flucht gelingt dem 27-Jährigen, denn er hat Hilfe. An seiner statt nimmt die Polizei an diesem Tag drei Helfer fest, sie sitzen jetzt vor dem Richter.

Eine der drei Personen, eine 22-Jährige wird von der Staatsanwaltschaft angeklagt, vor dem Krankenhaus Schmiere gestanden zu sein. Auf der Anklagebank sagt sie, sie wusste von nichts und sei „nur so“ in dem Auto mitgefahren, in dem die drei von Wien nach St. Pölten fuhren. Auch ein anderer Angeklagter, ein 26-jähriger Mann, an jenem Tag der Fahrer, meint, er wusste von nichts. Der dritte Angeklagte, ein 40-Jähriger, habe ihn gebeten „einen Freund vom Krankenhaus abzuholen“, er sei erst dahinter gekommen was wirklich Sache sei, als sie schon in St. Pölten waren, als es „zu spät“ war. Ob das noch vor dem Fluchtversuch des Häftlings war, will der Richter wissen. Ja, sagt der Angeklagte.

„Na dann ist es ja ein Geständnis!“, meint der Richter und wirft ungeduldig die Hände in die Luft. Der 22-Jährigen glaubt er kein Wort, als sie wiederholt meint, sie wusste nicht was lief. Sie hatte den entflohenen Häftling einige Zeit zuvor in der Justizanstalt besucht. „Wenn das klappt sind wir 5000 Euro reicher“, soll der andere Angeklagte zu ihr gesagt haben. Das bestreitet dieser, er behauptet auch, den Häftling gar nicht zu kennen. Der 40-Jährige ist der einzige, der umfassend geständig ist. Er sagt, er habe den anderen Mann am Tag zuvor eingeweiht und ihn gebeten zu fahren, da er selbst keinen Führerschein hatte. Dieser habe gewusst, dass der „Freund“ ein Häftling ist.

Das Auto, mit dem sie dem Häftling eigentlich helfen wollten, stellte die Polizei sicher und zwar leer. Die Helfer waren mit zwei Taxis weitergefahren. Die Polizei hielt sie schließlich auf der Autobahn Richtung Wien auf und nahm sie fest. Von dem entflohenen Häftling fehlte zu dem Zeitpunkt bereits jede Spur. Laut aktuellen Informationen der Polizei konnte er bis heute nicht gefasst werden. Für die drei Helfer endet die Geschichte jedenfalls hinter Gittern. Die 22-Jährige geht für drei Monate ins Gefängnis, neun zusätzliche Monate werden ihr bedingt nachgesehen. Zwei Monate Haft bekommt der 40-Jährige, plus fünf weitere Monate bedingt. Der 26-Jährige bekommt acht Monate teilbedingt. Alle drei Urteile sind nicht rechtskräftig.