Nach Streit im Straßenverkehr: Freispruch wegen Notwehr. Wegen einer gewalttätigen Rauferei nach einem Autofahrer-Streit steht ein Mann vor Gericht. Dass er den anderen verletzt hat war Notwehr sagt er. Er wird freigesprochen.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 23. Dezember 2020 (19:03)
Am Landesgericht St. Pölten warteten Richter und Zeugen vergeblich auf den Angeklagten.
Erna Kazic

Eine Streitigkeit im Straßenverkehr: einer schneidet den anderen, gefolgt von gegenseitigem Überholen. Die Autos halten und die beiden Fahrer steigen aus. Es kommt zum Streit und mehreren schweren Verletzungen. Einer der Männer erleidet eine Verletzung am Augen und mehrere seiner Zähne brechen ab. 

Der andere Mann, ein 28-Jähriger sitzt jetzt als Angeklagter vor Gericht. Zu Unrecht, sagt sein Verteidiger. Der Angeklagte gibt zu, dass er dem anderen einen Faustschlag ins Gesicht verpasst hat, allerdings als Abwehrreaktion, der andere sei auf ihn losgegangen und habe sich sehr aggressiv verhalten, auch schon zuvor im Straßenverkehr. Der Verteidiger bezeichnet es als klare Notwehrsituation. Der Sachverständige nennt die Vorfälle und die daraus resultierenden Verletzungen einen „unglücklichen Verlauf“. Die Verletzung am Auge sei von dem Faustschlag, die Zahnverletzungen aber nicht.

Der Verletzte sei bei der vorhergehenden Verhandlung sehr impulsiv und aufbrausend gewesen merken alle Parteien an. Das allein sieht der Richter nicht als Beweis, er findet es aber wahrscheinlich, dass der andere Mann auf den Angeklagten losgegangen ist. Auch weil der Angeklagte selbst eine Verletzung hatte. Kurz gesagt: Es gab einen Schlag seitens des Angeklagten. Der Richter glaubt die Notwehrvariante und spricht den Mann frei.