Runde zwei für Faschings-Prügelei. Am Landesgericht St. Pölten müssen sich erneut zwei 26-Jährige verantworten, die während eines Faschingsumzuges gewalttätig geworden sein sollen. Ein Urteil gibt es auch diesmal nicht, dafür viele Zeugenaussagen.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 27. November 2020 (17:52)
Erna Kazic

Es ist ein kalter Wintermorgen Ende Februar. Nach dem Faschingsumzug in St. Pölten-Wagram wacht ein 26-jähriger Mann verkatert, ohne T-Shirt und mit nur einem Schuh irgendwo entlang der Traisen auf. Er kann sich an nichts mehr erinnern – so sagt er über ein halbes Jahr später vor Gericht. Nicht daran, dass er sich am Vortag mit den Worten „Ich bin Kampfsportler!“ das T-Shirt zerrissen haben soll – Kichern im Verhandlungssaal – und auch nicht daran, dass er Passanten attackiert haben soll, die seiner betrunkenen Freundin helfen wollten.

Dass er dort war und an diesem Tag wohl Medikamente mit Alkohol gemischt hat, weiß er noch. Bei der ersten Verhandlung zu dieser Sache im Sommer war er nicht erschienen, bei der zweiten Verhandlung stellen die Justizwachebeamte sicher, dass er kommt. Denn wegen einer „Körperverletzung im Zustand voller Berauschung“ in einem anderen Fall sitzt er noch bis Februar 2021 in Haft.

Viele Zeugen, viele Versionen

„Er ist kein schlechter Mensch. Er braucht einfach eine Alkoholtherapie“, sagt seine Freundin, die ebenfalls im Verhandlungssaal sitzt, während ihr die Tränen kommen. Sie war bei dem Faschingsumzug gestürzt und mehrere Menschen kamen, um ihr zu helfen. Interessanterweise erzählen alle Zeuginnen und Zeugen die Geschichte so, als wären sie dabei die ersten gewesen.

Die erste Zeugin Frau H. wollte der Freundin des Angeklagten an jenem Tag ein Glas Wasser geben, „Meine Freundin greift keiner an“, soll der Angeklagte geschrien und sie weggestoßen haben, sodass sie mit dem Knie auf die Gehsteigkante fiel. Herr H. sei ihr daraufhin zur Hilfe gekommen, schildert sie. Ein Freund des Angeklagten, der als Zweitangeklagter vor Gericht sitzt, soll ihren Gatten daraufhin zu Boden geschlagen und ihm ins Gesicht getreten haben. „Es tut mir wirklich sehr leid. Wissen sie, ich bin kein schlechter Mensch. Der Alkohol haut mir nur immer den Hund rein“, sagt der Erstangeklagte, als Frau H. den Saal verlassen will.

Als langjähriger Rettungssanitäter ist der zweite Zeuge, Herr G., zur gestürzten Freundin des Angeklagten gegangen, erzählt er. Frau H. will er dabei nicht gesehen haben, sie ihn auch nicht – sagt Frau H. Er habe den Angeklagten gebeten ein Stück zurückzugehen, das habe dieser nicht getan und eine Stoßerei angefangen. Der langjährige Rettungssanitäter sei daraufhin gegangen, weil ihm die Situation zu brenzlig wurde.

Frau P., die nächste Zeugin, meint eben jener Herr G. sei derjenige gewesen, der herumgestänkert hatte. Der Erst- und Zweitangeklagte hätten sich ihr gegenüber „nicht unfreundlich“ verhalten, als sie der Freundin des Angeklagten ein Glas Wasser bringen wollte. Dann sollen sie aber eine Stoßerei angefangen haben, sagt die Freundin von Frau P. die auch dabei war.
Ein Urteil gibt es auch an diesem Tag nicht.

Auch diesmal kein Urteil

Der Richter muss die Verhandlung erneut vertagen, denn die Aussage, des beim Faschings-Umzug schwer verletzten Herrn H. sei notwendig. Außerdem notwendig sei ein Sachverständiger, der feststellen soll, ob die volle Berauschung des Erstangeklagten am Tag des Vorfalls glaubhaft sei. Es findet sich schnell ein Termin, und zwar kurz vor Weihnachten – ein Glück für die Angeklagten, denn um diese Zeit sei er immer milder gelaunt, kündigt der Richter an.