Siebenfache Mutter: „Mein Mann wollte mich umbringen“. Ein Mann soll versucht haben, seine Ehefrau zu erwürgen. Davor soll er sie bereits über Jahre misshandelt haben: 12 Jahre Haft.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 21. Oktober 2020 (12:19)
Symbolbild
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Seit 20 Jahren sind sie verheiratet, sie haben sieben Kinder miteinander, doch sie erscheinen nicht gemeinsam vor Gericht. Die Frau hat zu viel Angst vor ihrem Mann, deshalb sehen die Anwesenden im Verhandlungssaal ihre Einvernahme nur über Video. Der 40-Jährige soll sie in den letzten Jahren immer wieder beschimpft, mit dem Umbringen bedroht und sie geschlagen haben – auch während einer Schwangerschaft, auch vor den Kindern. Im Februar dieses Jahres soll er im Streit versucht haben, sie zu erwürgen. Laut der Frau habe er nur aufgehört, weil die Tochter dazwischengegangen ist.

Der Angeklagte streitet alles ab und schiebt seiner Frau die Schuld zu, sie habe ihn attackiert nicht umgekehrt. Doch die Fotos aus dem Krankenhaus erzählen etwas anderes. Sie zeigen Würgemale, blaue Flecken und mehrere Prellungen im Gesicht, auf Armen und Oberkörper der Frau. Wie die dort hingekommen sind, kann der Angeklagte nicht erklären.

Männliche Angehörige halten zum Ehemann

Das kann auch der 16-jährige Sohn der beiden nicht. Er gibt an, nie etwas gehört oder gesehen zu haben, und lächelt dabei. Seine Mutter erzähle „völligen Schwachsinn“. Auch der Bruder und der Vater des Angeklagten stehen auf dessen Seite. Die Staatsanwältin unterstellt allen dreien, falsch auszusagen.

Der Verteidiger sieht keine Beweise, dass der Angeklagte die Frau wirklich umbringen wollte, da auch die Tochter, die bei dem Vorfall dazwischengegangen sein soll, nicht aussagen will. Doch zwei andere Zeuginnen gibt es, die aussagen: Die Schwägerin der Frau (auch sie hat zu viel Angst und ist daher über Video zu sehen) und eine ältere Dame. Sie hat die Frau, die nach der mutmaßlichen Attacke aus dem Fenster flüchtete, ohne Schuhe und weinend auf der Straße gefunden und auf deren Bitte die Polizei gerufen. „Hilfe! Mein Mann will mich umbringen“, habe sie gesagt.

Frau wehrte sich gegen Kontrolle

In der Einvernahme sagt die Frau, sie wollte sich von ihm trennen und dass sie ihn mehrmals gebeten habe, sie und die Kinder alleine leben zu lassen. Er habe ihr daraufhin gedroht, sie ohne Kinder nach Tschetschenien zurückzuschicken, von wo sie vor einigen Jahren geflüchtet waren. Generell soll er sie während der Ehe extrem kontrolliert haben. Er habe ihr weder erlaubt, ein Handy zu haben noch Deutschkurse zu machen, zu arbeiten, sich mit Freundinnen zu treffen oder allein rauszugehen.  „Ich hatte überhaupt keine Rechte als Mensch. Ich durfte zuhause putzen und kochen“, sagt sie. Das wollte sie sich in den letzten Jahren nicht mehr gefallen lassen und widersprach immer öfter. Ihr Widerspruch habe ihn sehr verärgert, sagt der Angeklagte, bestreitet aber, ihr irgendetwas verboten zu haben. Der Auslöser des Streits an dem Tag, an dem er versucht haben soll, sie zu erwürgen, war ein Handy, das sie ohne seine Erlaubnis benutzt hatte.

Die Geschworenen beraten einige Stunden, dann steht das Urteil fest: 12 Jahre Haft wegen versuchten Mordes und fortgesetzter Gewaltausübung. Die Frau bekommt 1.500 Euro Schmerzengeld zugesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.