Terror-Prozess gegen 19-jährige St. Pöltnerin

St. Pöltnerin soll IS-Propaganda verschickt haben, um zu rekrutieren: Zwei Jahre Haft.

Erstellt am 28. Oktober 2021 | 04:51
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Wegen IS-Propaganda fasste eine 19-Jährige Haft aus am Landesgericht St. Pölten.
Foto: Erna Kazic

Vor dem Jugendrichter sitzt eine zierliche junge Frau, hinter ihr fünf Justizwachebeamte mit kugelsicheren Westen. Die Anklage: In nur wenigen Monaten soll sie hunderte Nachrichten verschickt haben, um für die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu rekrutieren. Darunter grausame Videos, die Kampfhandlungen zeigen. Außerdem soll sie selbst Aufsätze verfasst und eine Machete besessen haben.

Vor Gericht ist sie erstmals geständig. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass die späte Einsicht gespielt sei, um eine mildere Strafe zu bekommen, da kein Umdenken während der Ermittlungen erkennbar gewesen sei. Die Verteidigung betont, dass die Angeklagte ein „junger Mensch am Scheideweg“ sei, der an sich arbeiten wolle und dem durch das Schuldbekenntnis Gefahr von jenen radikalen Gruppen drohe, die sie „verrate“. In diesen „falschen Kreisen“ habe sie erstmals soziale Anerkennung erfahren. Dass Menschen sterben, wolle sie nicht. Ihre Radikalisierung sei über Social Media passiert, so ein Gutachter. Er sieht eine große Rückfallwahrscheinlichkeit.

Das Urteil (nicht rechtskräftig): zwei Jahre Haft, davon 16 Monate bedingt, wegen Verbrechen der terroristischen Vereinigung und der kriminellen Organisation. Dazu Teilnahme an einem Deradikalisierungsprogramm. Einen Freispruch gibt es von den Vorwürfen des Verstoßes gegen das Waffengesetz, da eine Machete nicht als Waffe gilt. Im Zweifel freigesprochen wird sie bezüglich ihrer Aufsätze. Darin gehe es nicht um den IS. Die Angeklagte nimmt das Urteil an. Die lange Zeit in U-Haft wird ihr angerechnet. Ende November wird sie daher entlassen.