Wilhelmsburger quälte Mädchen. Sechs Jahre Haft: Mann steckte damals Fünfjährige unter siedend heiße Dusche und missbrauchte es.

Von Alex Erber. Erstellt am 26. Januar 2021 (10:12)
Am Landesgericht St. Pölten warteten Richter und Zeugen vergeblich auf den Angeklagten.
Erna Kazic

Es ist schon über zehn Jahre her, dass sich eine Wilhelmsburgerin nach ihrer Trennung mit einem Nachbarn angefreundet hat, mit ihm liiert war – mit schrecklichen Folgen für ihre Kinder, wie sich nun bei einem Prozess am Landesgericht St. Pölten offenbart hat.

Dort präsentiert sich ein schwerer Alkoholiker auf der Anklagebank. Den Termin des Prozesses habe er verschwitzt, gibt er zu Protokoll. Deshalb wird er von drei Polizisten der Inspektion Wilhelmsburg zum Gerichtssaal geleitet, wo die Verhandlung mit mehr als einstündiger Verzögerung beginnt.

Der 44-Jährige versteht gar nicht, warum er hier ist. Er versichert, dass er dachte, bei einem Prozess Mitte 2018 habe man alle Vorwürfe abgehandelt. Damals ging es um einen Messerstich, den er der Nachbarin zugefügt hatte. Acht Monate bedingte Haft kassierte er dafür.

Anzeige erstattet hat nicht die Frau, sondern das Universitätsklinikum St. Pölten. Die Anzeige im Jahr 2019, die zur jetzigen Gerichtsverhandlung führte, hat abermals nicht die Frau erstattet, sondern das Kinderschutzzentrum „Möwe“, wo ihre Tochter, nun eine Jugendliche, untergebracht ist. Das Mädchen erlitt einen Nervenzusammenbruch, als sie zufällig ein Bild des Angeklagten sah. Die Erinnerung an Grausames in der Kindheit kam hoch. Grausames, das sie in den Jahren von 2011 bis 2014 erdulden musste. Grausames, weswegen sich der Wilhelmsburger nun vor einem Schöffensenat verantworten muss.

Mit Messer schnitt er den Kopf der Puppe ab

Der nun Arbeitslose stopfte dem kleinen Mädchen (5) heißes Essen in den Mund, sodass es erbrach und Brandblasen zurückblieben. Mehrmals in der Woche steckte er es in die Dusche mit siedend heißem Wasser. Oder eiskaltem Wasser. Ihrer Puppe schnitt er mit einem Messer den Kopf ab: „Pass‘ auf, dass dir so etwas nicht auch passiert!“ Die Mutter nähte den Kopf wieder an. Mit einem Kochlöffel drosch er mehrmals pro Woche auf die Wehrlose ein, ihren kleinen Bruder nötigte er, ebenfalls mit dem Kochlöffel zuzuschlagen, sonst würde er selbst Schläge bekommen. Überdies musste das Mädchen den Mann an unangemessenen Stellen massieren. Fast vier Jahre lang dauerte das Martyrium.

Die Richterin verurteilt ihn zu sechs Jahren Haft (nicht rechtskräftig): „Auch aus generalpräventiven Gründen. So etwas darf nicht vorkommen.“