St. Pöltner S-Bahn ist auf Schiene. Mobilitätspaket bringt Ausbau der Regionalbahnen, die bis 2022 zum S-Bahn-Netz verdichtet werden sollen.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 12. Dezember 2017 (05:12)
NOEN, AFP/Dieter Nagl
AFP/Dieter Nagl

Jeder vierte Niederösterreicher arbeitet im Zentralraum, mehr als 35.000 Arbeitnehmer sowie tausende Schüler und Studenten aus dem Umland pendeln täglich in die Landeshauptstadt. Staus an den Stadteinfahrten sind die Folge. Seit Jahren fordert die St. Pöltner Stadtpolitik deshalb die Einführung eines S-Bahn-Systems.

Zuletzt war diese auch eine der zentralen Forderungen des Regionaldialogs der Arbeiterkammer. Jetzt kommt Bewegung in das Thema: Im Mobilitätspaket 2018-2022 sowie im Mobilitätskonzept 2030+ des Landes ist die Entwicklung einer St. Pöltner S-Bahn einer der Schwerpunkte für die künftige Landesverkehrspolitik.

Bahnen werden bis 2022 ausgebaut

Die Herausforderung: Viele der künftigen S-Bahn-Strecken sind eingleisig und müssen vor der Etablierung eines S-Bahn-Taktes ausgebaut werden. Mit den ÖBB vereinbarte das Land deshalb ein umfangreiches Investitionspaket zum Ausbau der Zubringerbahnen. So werden bis 2022 die Traisentalbahn, die Erlaufbahn, die Alte Westbahn und die Tullnerfeldbahn als Vorleistung auf den S-Bahn-Betrieb ausgebaut. Ebenfalls geplant ist die Elektrifizierung der Kremser Bahn zwischen Herzogenburg und Krems. „Das S-Bahn-Grundsystem mit halbstündigem Knoten St.

Pölten Hauptbahnhof besteht bereits seit Dezember 2016. Wir wollen diese Taktung entsprechend dem Fahrgastzuwachs verdichten“, betont Verkehrslandesrat Karl Wilfing.

Dadurch, dass bereits jetzt alle zwölf Minuten ein Zug den St. Pöltner Hauptbahnhof in Richtung Wien verlässt, ist auch für alle Pendler in die Bundeshauptstadt der Taktknoten St. Pölten noch attraktiver. Dazu kommt, dass seit Sonntag der Güterverkehr auf der neuen Güterzugumfahrung um die Stadt herum geführt wird – und damit zusätzliche Zeitfenster für Personenzüge freiwerden.

Rathaus begrüßt Vorstoß des Landes

Ab 2022 soll das St. Pöltner S-Bahn-System eine Entlastung der Stadt vom Individualverkehr bringen. Im Mobilitätspaket festgeschrieben ist auch, dass diese S-Bahn-Züge dann barrierefrei sind und neues Wagenmaterial eingesetzt wird.

Im Rathaus begrüßt man den Vorstoß des Landes, der auch den Zielen des Generalverkehrskonzeptes der Stadt entspricht. „Wenn das Land hier tätig wird, ist das auf jeden Fall zu begrüßen“, betont Mobilitätsbeauftragter Alexander Schmidtbauer. Je schneller ein S-Bahn-System komme, desto besser – zumal sich die Stadt das Ziel gesetzt hat, den Anteil der Öffi-Pendler von 28 auf 34 Prozent zu erhöhen.

Begeistert zeigt sich auch SP-Vizebürgermeister Franz Gunacker: „Der Auf- und Ausbau eines attraktiven S-Bahn-Angebots fällt in die Zuständigkeit des Landes und der Verkehrsdienstleister. Wenn das Land nun Anstrengungen zum Ausbau der S-Bahn unternimmt, entspricht das einer Forderung, die die Stadt seit Jahren stellt.“ Der Fokus auf die Entwicklung eines S-Bahn-Systems sei auch ein Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik des Landes, das bisher eher den Schwerpunkt auf die Weiterentwicklung des Busverkehrs gesetzt habe. Gunacker: „Der erste Schritt ist getan, weitere müssen folgen.“

NÖN.at-User wollen mehr Züge nach Wien

Die NÖN-Leser sehen die aktuelle Entwicklung auf der Westbahn-Strecke mit Freude. 37 Prozent sind auf NÖN.at der Meinung, dass mittlerweile bereits genug Züge nach Wien fahren. 37,5 Prozent wollen ein dichteres Angebot. 25,5 Prozent outen sich als Nicht-Bahnfahrer.

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