Marie Rötzer: „Wir brauchen das Atmen des Publikums“. Marie Rötzer, Künstlerische Leiterin des Landestheaters, über die Euphorie vor der Wiedereröffnung nach sechs Monaten Lockdown.

Von Beate Steiner. Erstellt am 15. Mai 2021 (03:13)
Szenenbild mit Tobias Artner, Tim Breyvogel und Bettina Kerl (von links) aus „Monte Rosa“. Mit diesem Stück von Teresa Dopler startet das Landestheater nach der langen Pause.
Alexi Pelekanos, Alexi Pelekanos

Unter #wirkommenwieder hat das Landestheater NÖ mit spannenden und innovativen Angeboten während des Lockdowns den Kontakt zum Publikum gehalten. Jetzt darf die Bühne wieder bespielt werden. Marie Rötzer, die Künstlerische Leiterin des Hauses, verrät, was die Besucher erwartet.

NÖN: Was ist das für ein Gefühl, wenn der Vorhang nach einem halben Jahr Pause aufgeht?
Marie Rötzer: Euphorie! Das ist eine sehr große Freude für uns alle. Für die Schauspieler waren die vergangenen Monate Stillstand – trotz der Aktivitäten. Sie brauchen das gemeinsame Atmen mit dem Publikum.

Zur Wiedereröffnung gibt‘s gleich zwei Uraufführungen und eine Premiere. Warum haben Sie sich für diese Stücke entschieden?
 Wir starten am Mittwoch, 19. Mai, mit „Monte Rosa“ von Teresa Dopler. Das ist eine junge, aufstrebende Autorin, ausgezeichnet mit dem Peter-Turrini-DramatikerInnen-Stipendium mit einer großartigen Geschichte über das Scheitern von Liebe und über die Entfremdung in Beziehungen. Dann bringen wir „Kabale und Liebe“ – anlässlich unseres Jubiläums. Mit Schillers Klassiker wurde das Theater in St. Pölten vor 200 Jahren eröffnet. Auch unsere zweite Uraufführung, das BürgerInnentheater, steht in Bezug zum Jubiläum. „Eine Stadt sucht ihr Theater“, geschrieben vom Wiener Dramatiker Bernhard Studlar, wird ein Audio-Walk, bei dem die Stimmen der BürgerInnen die ZuschauerInnen durch das Haus führen.

Für die Schauspieler waren die vergangenen Monate Stillstand – trotz der Aktivitäten

Wird das Jubiläum noch gefeiert?
Wir schauen, dass wir die Feierlichkeiten unterbringen. Wir werden das Jubiläum mitnehmen, auch digital.

Apropos digital: Wird es weiterhin Livestreams geben?
Wir werden digital zurückfahren, aber nicht aufhören, wir hatten ein tolles Feedback. Das war Trost und ein guter Ersatz, aber nur Ersatz. Weil es eine ungewohnte Herangehensweise war. Die Schauspieler sind gewohnt, im Fluss, in der Spannung zu sein. Sie sind aufeinander eingespielt, es herrscht große Vertrautheit. In den vergangenen Monaten hatten wir Proben, aber auch Stopps, die Schauspieler mussten sich immer wieder neu aufwärmen.

Wir werden digital zurückfahren, aber nicht aufhören, wir hatten ein tolles Feedback

Wie geht es Ihnen mit den Vorbereitungen zur Öffnung?
Das ist eine Kraftanstrengung. Es geht zu wie in einem Bienenstock. Schnelle Kommunikation zwischen dem Organisationsbüro und der künstlerischen Leitung, den Teams, dem Kartenbüro und auch dem Publikum, das über den Spielplan informiert wird.

Was steht auf dem Spielplan?
Wir haben es geschafft, bis Sommer Stars wie Nikolaus Habjan mit „Zawrel“ und Uschi Strauss mit einer Zweig-Lesung nach St.Pölten zu bringen. Und das Programm für die kommende Saison wird im Juni präsentiert. Da sind schöne Highlights dabei, große Themen, große Gäste. Wir sind zuversichtlich, dass wir die Sehnsucht des Publikums stillen können.