Region St. Pölten: Für die Tonne viel zu wertvoll. Soogut-Markt, Sackerl mit Überraschungen und Essensteiler helfen gegen die Verschwendung von Essen.

Von Max Steiner, Maria Prchal und Niklas Zimmer. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:00)
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Der soogut-Markt rettet Lebensmittel und versorgt Menschen mit geringem Einkommen – und zum Start des Restaurantbetriebs auch Jugendliche beim Batjam. Steppenwolf-Leiter Michael Hogl mit Küchenchefin Silvia Gravogl und Marktleiter Ingomar Golob (v. l.).
soogut-Sozialmärkte, soogut-Sozialmärkte

Knuspriges Brot, frische Eier, dralle Mandarinen – das ist kein Einkaufszettel, sondern was der Umweltverband so im Restmüll der St. Pöltner entdeckt. „Wir haben viel Wurst gefunden, wo noch nicht einmal zum Zeitpunkt der Restmüllanalyse das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht war“, sagt Leiter Johann Freiler. Vor allem in großen Wohnhausanlagen funktioniere die Mülltrennung schlecht. Das liege an der Anonymität und teilweise mangelndem Platz: „Und das ist egal wo, auch in den kleinen Pielachtal-Gemeinden. Sobald es eine Wohnhausanlage gibt, tritt das Problem auf.“

„Wir haben viel Wurst gefunden, wo noch nicht einmal zum Zeitpunkt der Restmüllanalyse das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht war“

Aus dem Bezirk wurden etwa 15 Restmülltonnen in die Auswertung miteinbezogen. Und die vielen Lebensmittelabfälle, die sie im Restmüll gefunden haben, sind nicht einmal alles. Denn eigentlich gehören sowohl die nicht-vermeidbaren wie auch die vermeidbaren Lebensmittelreste in den Biomüll, der nicht analysiert wird.

Am besten aber landen die Lebensmittel auf dem Teller. Doppelt gut ist es, wenn wertvolle Lebensmittel ihren Weg zum soogut-Markt in St. Pölten finden. Allein an diesem Standort werden wöchentlich 26 Tonnen Lebensmittel gerettet. Hauptsächlich Obst und Gemüse, Brot und Gebäck, Molkereiprodukte wie Milch, Käse oder Joghurt sowie Mineralwasser und Fruchtsäfte bekommt der Sozialmarkt von seinen Partnern. Freiwillige holen die Waren von mittlerweile 85 Stellen täglich ab. 15.800 Menschen mit geringem Einkommen können so am Standort mit günstigen Lebensmitteln versorgt werden. Zusätzlich zum Markt in der Eybner straße 13 in St. Pölten steht das soogut-Mobil am Mittwoch und Freitag an drei Stationen.

Für alle geöffnet ist jetzt wieder das Restaurant. „Wir haben zwar auch in den letzten Monaten täglich gekocht und unsere Mittagsmenüs als Take-away angeboten. Doch für unsere Gäste ist das gemeinsame Essen in Gesellschaft ein wichtiger Tageshöhepunkt“, erzählt Marktleiter Ingomar Golob. Erster Anlass, die Kapazitäten der Küche voll zu nützen, war das Batjam. Für die kreativen Jugendlichen wurden Mittagessen vorbereitet und Verpflegungssackerl gefüllt. „Es ist schön, dass wir auch als Jugendzentrum zur Lebensmittelrettung beitragen können“, freute sich Steppenwolf-Leiter Michael Hogl mit den begeisterten Jugendlichen. Für die Mittagsgäste steht das soogut-Restaurant jetzt wieder mit 3G-Nachweis offen. Den Menüplan finden Sie auf www.soogut.at oder Facebook.

Eine spannende Möglichkeit, Lebensmittel zu retten, bietet „toogoodtogo“ . Überraschungssackerl mit stark vergünstigten Produkten kann man über die App erwerben und kurz vor Geschäftsschluss abholen. Der soogut-Markt nutzt die zusätzliche Möglichkeit ebenso wie seit rund einem Jahr die Bäckerei Hager, aber auch die Bäckerei Adria, Spar Gourmet, die Stöber Mühle Pfaffing, der Denns-Bio-Supermarkt und einige mehr.

„Wir geben uns alle Mühe, diese zu finden und auch den letzten Salatkopf oder Kräutertee vor der Tonne zu bewahren“

In Sachen Lebensmittelrettung sind auch die Ehrenamtlichen von Foodsharing St. Pölten unterwegs. „Wir schätzen, dass wir mit unseren Partnerbetrieben 2020 zehn bis 15 Tonnen genießbare Lebensmittel gerettet haben“, erklärt Manuel Binder. Auch wenn viele Händler und Produzenten mit Sozialeinrichtungen zusammenarbeiten, blieben blinde Flecken. „Wir geben uns alle Mühe, diese zu finden und auch den letzten Salatkopf oder Kräutertee vor der Tonne zu bewahren“, so Binder. Die gehen in die Fairteiler im Sonnenpark, die rund um die Uhr für alle erreichbar sind. Es gehe nur darum, dass die Lebensmittel gegessen werden. Darum können alle Lebensmittel zu den Kühlschränken hinbringen und mitnehmen.

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