Jüdische Ruhestätte in St. Pölten wird nun renoviert

Erstellt am 18. Januar 2022 | 20:31
Lesezeit: 3 Min
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Der jüdische Friedhof wird noch heuer renoviert.
Foto: Arman Kalteis
Der derzeit wegen seines Zustands gesperrte jüdische Friedhof und die Zeremonienhalle sollen noch heuer hergerichtet werden.
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Lose gesetzte Grabsteine, Baumbruchgefahr – der jüdische Friedhof war zuletzt nicht mehr sicher zu betreten. Der 1906 eröffnete Friedhof in der Karlstettner Straße 3 war während der NS-Zeit zerstört, die Steine 1951 von der Stadt aufgestellt worden.

„Wir sind uns der besonderen Bedeutung des jüdischen Erbes in unserer Stadt bewusst.“Bürgermeister Matthias Stadler

Zuletzt saniert hat den Friedhof 1996 der Verein „Shalom“, seither sorgten Stadt und zeitweise Schüler-Projekte für Pflege. Mittlerweile wurde die Sperre aber zum Stadtpolitikum. Jetzt ist allerdings eine Lösung gefunden.

Nach fünf Monaten intensiver Arbeitsgespräche im Auftrag von Bürgermeister Matthias Stadler bezüglich der Renovierung soll in der Gemeinderatssitzung im Jänner ein Instandhaltungsvertrag beschlossen werden, heißt es von der Stadt. Danach soll noch heuer der Friedhof samt Zeremonienhalle saniert werden.

„Wir sind uns der besonderen Bedeutung des jüdischen Erbes in unserer Stadt bewusst“, betont Stadler. Das komme auch bei der Restaurierung und Erweiterung der ehemaligen Synagoge bis 2024 zum Ausdruck. Im Zusammenhang damit sei es ihm auch wichtig, dass die Sanierung des jüdischen Friedhofes in Angriff genommen wird.

„Denn die jüdischen Friedhöfe stellen einen integralen Bestandteil der jüdischen Kultur dar, sind Kulminationspunkte der Erinnerung und des Wissens um die jüdische Geschichte“, so Stadler.

Keil: „Freude, dass Stadt Verantwortung übernimmt“

Die Instandhaltungsvereinbarung wird auf die Dauer von 20 Jahren zwischen der Stadt und der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien geschlossen.

An die IKG war als Rechtsnachfolger der IKG St. Pölten der Friedhof 1954 rückgestellt worden. Diese betrifft die Arbeiten, um den Friedhof in funktionsfähigem, gepflegtem Zustand zu erhalten. Für die Instandsetzung werden Mittel aus dem Fonds zur Instandsetzung der jüdischen Friedhöfe in Österreich zur Verfügung gestellt.

Für die Zusammenarbeit dankt Kulturamtsleiter Alfred Kellner besonders der Direktorin des Instituts für jüdische Geschichte Österreichs Martha Keil, dem stellvertretenden Leiter der NÖ-Kulturabteilung Martin Grüneis, dem stellvertretenden Leiter des Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus Michael R. Seidinger sowie dem Generalsekretär der IKG Wien Klaus Hoffmann.

Für Martha Keil ist es „eine große Freude“, dass dieser Vertrag jetzt zustande kommt: „Wenn Nachkommen nach St. Pölten kommen, führt sie ihr erster Weg zu uns ans Institut und der zweite zum Friedhof. Da ist es natürlich eine Freude, wenn die Stadt Anerkennung und Verantwortung für den Friedhof übernimmt und die jüdische Kultur wertschätzt.“

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