Mann griff Nachbarn an: „Das hat mir der Teufel gesagt“. In einem Mehrparteienwohnhaus in St. Pölten ging ein 22-Jähriger mit zwei Messern auf einen anderen los. Das Motiv ist noch unklar. Die Verhandlung musste vertagt werden.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 10. Februar 2021 (17:18)
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Kahle weiße Wände, eine Couch an der Wand, ein kleiner Beistelltisch – Im September stürmt hier ein junger Mann mit einem Klappmesser herein und drückt es einem anderen Mann an den Hals. „Ich werde dich umbringen! Du sollst heute sterben“, soll er zornig gerufen und den Angeklagten dabei mit dem Messer am Hals verletzt haben. Von diesem Zorn ist vor Gericht aber nichts mehr zu spüren: „Ich wollte ihm nur Angst machen, ich hätte nicht gedacht, dass es zu dem kommt, zu dem es dann gekommen ist“, sagt der Angeklagte etwas kleinlaut. 

Wozu es noch kam, ist allerdings nicht ohne: Zwei andere Männer ziehen den Angeklagten von dem Verletzten weg und entwenden ihm dabei das Messer. Es kommt zu einer Auseinandersetzung mit den Fäusten auf dem Gang vor dem Zimmer. Der anfangs Verletzte, der noch im Zimmer mit der Hand versucht hatte, das Messer von seinem Hals wegzuschieben, sieht, dass er blutet und geht in eine angrenzende Waschküche. Doch der Angeklagte ist noch nicht mit ihm fertig. Er holt ein Küchenmesser und geht erneut auf den anderen zu. Der bekommt Angst und sperrt sich in der Waschküche ein, doch der Angeklagte tritt einfach die Tür ein und setzt ihm erneut ein Messer an den Hals.

"Unter Nachbarn gibt es eben einfach mal Probleme."Der Angeklagte

„Ich habe noch nie jemand anderen verletzt. Ich wollte, dass er mich in Ruhe lässt und unsere Freundschaft beendet ist“, sagt der Angeklagte zum Vorsitzenden des Schwurgerichts. „Es war der Teufel, der mir das eingeredet hat.“ Was meint er denn mit dem Teufel? Seine eigene „dunkle Seite?", fragt der Richter stirnrunzelnd. Ja, sagt der Angeklagte und gleichzeitig habe ihn etwas in ihm auch davon abgehalten, wirklich zuzustechen. „Ich hätte sowieso nicht zugestochen. Unter Nachbarn gibt es eben einfach mal Probleme“, fügt er hinzu. Der Richter hebt die Augenbrauen. Den Geschworenen ist die Irritation trotz FFP2-Masken anzumerken. 

Am Anfang des Prozesses war sich der Verteidiger noch sehr sicher: „Wenn der Angeklagte gewollt hätte, dass der andere stirbt, dann wäre das auch geschehen.“ Am Ende der Verhandlung werde der Vorwurf nicht mehr versuchter Mord sein, sondern Körperverletzung und gefährliche Drohung. Ob das Verfahren tatsächlich so ausgehen wird, bleibt an diesem Verhandlungstag offen.

Suchtgift als möglicher Auslöser

Den Grund, warum der Angeklagte auf ihn losgegangen sei, den wisse er bis heute nicht, sagt der Mann, der aus der Auseinandersetzung zwei kleine, oberflächliche Schnittwunden davongetragen hat. „Ich hatte das Gefühl, dass er Angst gehabt hat. Ich glaube nicht, dass er mich umbringen wollte, auch wenn er das gesagt hat.“ Der Richter vermutet Suchtgiftgeschäfte als Auslöser der Auseinandersetzung. Details gibt es an diesem Prozesstag dazu aber nicht.

Zwei Frauen, die damals im Zimmer waren als der Angeklagte mit dem Messer hereinstürmte, könnten dazu Auskunft geben. Sie sind dem Gericht wegen anderer Suchtgiftfälle bereits bekannt. Doch sie erscheinen nicht und handeln sich damit als geladene Zeuginnen  eine Geldstrafe ein. Weil die Staatsanwaltschaft die beiden unbedingt befragen will, wird der Prozess Ende April fortgesetzt werden.