Milde Strafe für Bombendrohung. Trotz Ankündigung eines Amoklaufs muss 32-Jähriger nur Sozialstunden leisten.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 16. September 2020 (17:24)
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Er werde im Magistrat eine Bombe zünden und Amok laufen: Die Vorwürfe gegen einen 32-jährigen St. Pöltner wiegen schwer. Am Mittwoch musste er sich deswegen am St. Pöltner Landesgericht verantworten.

Immer wieder soll er im Bürgermeisterbüro und am Magistrat angerufen haben, um seinen Unmut über Lkw-Lärm im Bereich seiner Wohnadresse kundzutun. „Seit Jahren habe ich darauf aufmerksam gemacht“, schildert er. Geschehen sei aber nichts. Immer wieder sei er, auch vom Bürgermeister, daraufhin gewiesen worden, dass man ihm in dieser Angelegenheit nicht weiterhelfen könne. Irgendwann, als er wieder bei einem Telefonat mit dem Magistrat kein Gehör fand, sei er zornig geworden und hätte das Handy mit der Displayseite auf den Tisch geschlagen.

Zeitgleich soll er in Rage „Das Gescheiteste wäre, wenn man eine Bombe werfen würde“, gesagt haben. Das hörte die Mitarbeiterin der Telefonvermittlung, er dachte aber, dass Gespräch sei bereits durch das Werfen des Handys auf den Tisch beendet gewesen. Dem war aber nicht so. „Wie lange verwenden Sie schon Handys? Der Vorgang des Auflegens durch den roten Knopf sollte eigentlich automatisiert sein“, meinte der Richter.

Die als Zeugin geladene Mitarbeiterin der Telefonzentrale erinnerte sich: „Er sagte, ,Ich hau‘ Euch a Bomben rein!‘“ Wirklich gefürchtet hätte sie sich aber nicht. „Er war einfach sauer“, meinte sie. Sie gab aber genau wie der Richter zu bedenken, dass man nie wisse, was eine Person, die so eine Äußerung mache, dann vorhabe.

Eine Mitarbeiterin des Bürgermeisterbüros saß ebenso im Zeugenstand. Auch sie hatte den 32-Jährigen an der Leitung. „Es war ein unklares Gespräch. Er redete von Müll, Lärm und Baustelle. Mit fast weinerlicher Stimme sagte er: ,Dann muss er einen Amoklauf machen‘“, schilderte sie. Einige Minuten später hätte er bei einer weiteren Kollegin angerufen, um zu revidieren, dass er doch keinen Amoklauf machen werde.

Der Richter wies den Angeklagten daraufhin, dass Leute von heute aufgrund vorangegangener Amokläufe oder Drohungen gegen Behörden sensibilisiert seien. „Warum tun Sie sich denn so schwer, Empathiefähigkeit zu zeigen?“, wollte er vom Angeklagten wissen. Die Damen an der Telefonleitung seien nicht die richtigen Ansprechpartner, um ihn weiterzuhelfen. „Der Bürgermeister hat mir Mails zurückgeschrieben, dass er nichts machen kann“, versuchte er, sich zu verteidigen.

Der 32-Jährige ist unbescholten, hat aber bereits eine Diversion. Hier hatte er eine Person gestoßen, da diese mit dem Auto bei seiner Wohnung immer wieder vorbeigefahren sei und Lärm erzeugt hätte. Wegen des Corona-Lockdowns hat er erst verspätet mit einem Anti-Gewalt-Training beginnen können. Das bestätigt sein Bewährungshelfer und stellt ihm eine gute Zukunftsprognose aus. „Er hält alle Termine ein und ruft auch zurück. Das ist in meinem Job bei meinen Klienten nicht selbstverständlich“, betont dieser.

Der Angeklagte ist derzeit ohne Beschäftigung. Der Richter kann sich vorstellen, ihn in Kürze wieder in einem geordneten Dienstverhältnis zu sehen. Er ordnete daher als Diversion 100 Stunden gemeinnützige Sozialleistung, Fortsetzung der Bewährungshilfe und 200 Euro Pauschalkosten an. Die Verhandlung wird vertagt. Sollte der St. Pöltner allen Vorgaben korrekt nachkommen, wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.