Mit Truppenkennzeichen der Leibstandarte durch St. Pölten

Erstellt am 04. Mai 2022 | 19:02
Lesezeit: 3 Min
Landesgericht St. Pölten
Foto: Erna Kazic
Jahrelang fuhr der, aus eigenen Angaben, ehemalige Privatpilot Niki Laudas mit Aufklebern der Leibstandarte und auch Aufklebern, die dem Truppenkennzeichen der SS-Divison "Totenkopf" und der Reichskriegsflagge ähneln, auf seinem Auto durch den Bezirk.
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Seit 1945 sind in Österreich durch das Verbotsgesetz 1947 die NSDAP und die Betätigung im nationalsozialistischen Sinne verboten, umgangssprachlich Wiederbetätigung genannt. Ein 53-jähriger ehemaliger Ober-Grafendorfer wurde nun aufgrund dieses Gesetz angeklagt. Er selbst bekennt jedoch keine Schuld.

Der frühpensionierte  Pilot soll 2019 zwei Aufkleber des Truppenabzeichen der Leibstandarte SS Adolf Hitler und einen Aufkleber der Reichsflagge mit eisernem Kreuz auf seinem Fahrzeug angebracht haben. 2021 kamen zwei Totenköpfe, die dem Truppenkennzeichen der SS-Division "Totenkopf" ähneln, dazu. In seinem Besitz befanden sich die Sticker schon viel länger, nach seinen Angaben erwarb sie der 53-Jährige auf einem Motorradtreffen in 2016 und auf einer Messe für Militaria in 2017. 

Bei einer Hausdurchsuchung wurden auf seinem Tablet und Mobiltelefon Abbilder nationalsozialistischer Symbole wie der schwarzen Sonne und auch Hitlers Buch "Mein Kampf" als Hörbuch gefunden. Weiters befand sich auch eine Nachahmung eines sogenannter "SS-Totenkopfring", auch Ehrenring genannt, in seinem Besitz. Auch mehrere Bücher zum Thema wurden gefunden.

"Ich muss eingestehen, das war ein Fehler"

Der Angeklagte gab an, dass er die Aufkleber in Ehre seines Großonkels angebracht hat, der im zweiten Weltkrieg Mitglied der Panzerdivision der Wehrmacht war. Ein Fahrer eines Panzerkampfwagen "Tiger" der SS soll ihn damals vor dem Tod gerettet haben. Nachdem der ehemalige Pilot das Truppenkennzeichen seines Großonkels angeblich nicht in Erfahrung bringen konnte, verwendete er das seiner Retters. 

Bei den Totenköpfen soll es sich lediglich um das Logo von "Punisher" gehandelt haben, einem Marvel-Charakter, dessen Logo in der Biker-Szene, aber auch bei Rechtsextremen beliebt ist.  Zur Reichsflagge meint der Angeklagte, dass er ein stolzer Österreicher sei und ihm auch die Farben sehr gut gefallen. Auf die Frage des Richters, warum er trotz seines großem geschichtlichen Wissen diese Symbole an seinem Auto anbracht, hat der Frühpensionist keine Antwort. 

Trotz allem plädierte der Angeklagte darauf, dass ihn keine Schuld treffe. "Ich hatte keinen Vorsatz irgendetwas zu huldigen", meint der 53-Jährige, "Ich muss eingestehen, das war ein Fehler. Wenn ich jemanden mit diesen Abbildungen verletzt habe, dann tut es mir leid".

Trotz letztendlicher Reumütigkeit befanden die Geschworenen, und auch die Richterin, den Angeklagten einstimmig für schuldig. Der 53-Jährige bekam ein ein Jahr bedingte Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. 

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