Voith-Platz in St. Pölten ist Geschichte . Voithplatz wird Erdboden gleich gemacht. Wohnanlage in Planung.

Von Gerhard Weber. Erstellt am 16. Oktober 2020 (04:17)
Wo Lothar Matthäus und Mario Kempes aufspielten, erinnert jetzt kaum mehr etwas an Fußball.
s: Gerhard Weber

Das Fußballfeld auf dem Weltmeister wie Mario Kempes oder Lothar Matthäus dem runden Leder nachgejagt sind, ist längst verschwunden. Jetzt geht aus auch dem Rundherum des legendären Voith-Platzes endgültig an den Kragen. Die St. Georgener Firma Bachner Bau ist mit den Abbruchmaschinen aufgefahren und daran gegangen, ein Stück St. Pöltner Fußballgeschichte dem Erdboden gleich zu machen.

Die Anzeigetafel steht noch als ein Relikt aus früheren großen Fußballtagen.
: Fritz Dibidanzl

69 Jahre ist es her, dass der Voith-Platz eröffnet wurde. 1949 traten einige Fußballer mit dem Vorschlag an die Voith-Generaldirektion heran, einen Betriebssportverein zu gründen. Die ersten Spiele des BSV Voith wurden noch in Stattersdorf ausgetragen, im Frühjahr 1950 begann man jedoch schon mit dem Bau des Voithplatzes. Den Grund stellte die Voith zur Verfügung, beim Bau halfen viele Freiwillige. Bereits ein Jahr später fand das erste Meisterschaftsspiel statt. Und es wurde gleich das erste ganz große Fußballfest am Spratzerner Kirchenweg 25. Denn die Hausherren gewannen gegen den SC Rabenstein mit sage und schreibe 18:1.

Hochblüte in den 1980er-Jahren

Und es sollten noch viele andere folgen. Vor allem in den 1980er-Jahren stürmten die St.Pöltner den Voithplatz immer wieder. So gab’s zum Beispiel dank des späteren VSE-Präsidenten Helmut Meder, der dem Fußball in seiner Heimatstadt neues Leben einhauchen wollte, ein Unter-21-Länderspiel gegen Deutschland. Teamchef Berti Vogts und Lothar Matthäus, der seine Mannschaft damals als Kapitän aufs Feld führte, mussten sich mit einem 1:1 zufrieden geben. Den Fans gefiel es. Der Grundstein für „Fußballbegeisterung total“ in der Landeshauptstadt war gelegt. Für die sorgten dann jahrelang die VSE-Kicker um Mario Kempes, die auch in der Bundesliga immer wieder für Furore sorgten. Bei der Flutlicht-Premiere am 13. September 1988 waren weit über 10.000 Zuschauer mit dabei, als man der Wiener Austria ein 1:1 abringen konnte. Besondere Highlights waren immer die Duelle mit Rekordmeister Rapid, den man immer wieder in die Knie zwingen konnte. Einmal sogar 5:0. Einmal gewann man im November 1990 mit 1:0 – für den damaligen Rapid-Trainer Hans Krankl so eine Blamage, dass er durch das Kabinenfenster flüchtete, um den Journalisten nicht Rede und Antwort stehen zu müssen.

Der Abriss-Bohrer kannte auch mit der legendären Tribüne keine Gnade.
s: Gerhard Weber

Der Voith-Platz könnte noch so viele Geschichten erzählen. Letzter Profi-Torschützen war SKN-Liebling Daniel Segovia beim 3:1-Sieg gegen Austria Lustenau am 18. Mai 2012. Der letzte St. Pöltner Spieler überhaupt, der ein Tor auf dem Voith-Platz bejubeln konnte, war Martin Zahuranec am 22. Mai 2015 in der Regionalliga. Danach gab’s „nur“ mehr Frauenfußball. Und für die Statistiker eine letze Torschützin – nämlich Lilla Sipos beim Meisterfest der SKN-Girls am 11. Juni 2016, als man Altenmarkt mit 6:0 vom Platz fegte. Das war’s dann mit dem Kick am Spratzerner Kirchenweg. Zumindest mit dem professionellen.

Genossenschaft plant Besonderes

Denn wenn es nach der St.Pöltner Wohnungsgenossenschaft geht, soll auch in Zukunft am Areal der Ball rollen. Bei den Kids. „Wir sind derzeit in einer sehr intensiven Planungs- und Nachdenkphase, bei der wir uns aber durchaus Zeit lassen wollen“, verrät Direktor Willi Gelb. „Denn hier soll eine ganz besondere Wohnhausanlage entstehen. Eine mit sehr viel Grün und hohem Freizeitwert.“ Wie sie aussehen wird, soll mittels eines Architektenwettbewerbs entschieden werden. „Ich freue mich schon auf die Vielfalt der Ideen“, so Willi Gelb.