Ein bewegtes Arzt-Leben: Franz Kurz wurde 101. Franz Kurz feierte seinen 101. Geburtstag. Er war viele Jahre als Arzt in Hafnerbach tätig. Eine Kriegsverletzung verhinderte, dass er Unfallchirurg wurde.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 17. Juni 2017 (05:59)
NOEN, Birgit Kindler
Franz Kurz hat zwei Kinder, fünf Enkelkinder und neun Urenkerl. Mit seiner Frau Margarethe ist er 76 Jahre verheiratet.

Dass er einmal 101 Jahre alt wird, hätte sich Franz Kurz nicht gedacht. „Aber es ist natürlich erfreulich. Vor allem, dass ich geistig noch so rege bin“, schmunzelt Kurz. Fit gehalten hat sich der Hafnerbacher in der Natur – beim Schwammerlsuchen und Fischen.

Geboren ist Kurz in Kirchberg an der Pielach, seine Eltern hatten einen kleinen Betrieb für Sodawasser- und Kracherlerzeugnisse. Dort besuchte er die Volksschule. Der Direktor bemerkte, dass Kurz aufgrund seiner herausragenden Fähigkeiten für Höheres bestimmt ist. Er ging auf eine Eliteschule nach Wien, wo er mit Auszeichnung maturierte. Danach studierte der Hafnerbacher zwei Semester Tiermedizin, sattelte aber auf Humanmedizin um, um Unfallchirurg zu werden.

„Hätte ich bei der Steißgeburt auf einen Krankenwagen gewartet, dann wäre das Kind gestorben“, Franz Kurz

Bevor er sein Studium abschließen konnte, kam der Krieg dazwischen. „Eigentlich wäre ich schon früher eingezogen worden, aber sie ließen mich weiter studieren. Dafür habe ich mich für die Waffen-SS verpflichten müssen“, spricht Kurz über die schwierige Zeit. Fünf Jahre war er als Arzt an der Russlandfront eingesetzt. Mit einigen wenigen Kriegskameraden hat er heute noch Kontakt.

Ein schwerer Rückschlag für seine Karriere als Chirurg passierte kurz vor Kriegsende: 20 Tage bevor der Krieg aus war, wurde Kurz von einer Rakete aus einer Stalinorgel getroffen. Er wurde schwerst verwundet, die Narben an der rechten Hand sind ihm bis heute geblieben. „Als Chirurg konnte ich nicht mehr arbeiten, da die rechte Hand bewegungseingeschränkt ist. Und, dass, obwohl ich einer der wenigen war, der bei Doktor Böhler lernte“, erzählt Kurz.

Nach der Beendigung seines Turnus in Bad Ischl und St. Pölten wurde er Arzt in Hafnerbach. „1949 habe ich mich beim Bürgermeister vorgestellt, da dringend ein Arzt gesucht wurde“, so Kurz. 1961 bekam er die Stelle als Kontrollarzt der NÖGKK. Die Arzt-Tätigkeit von damals lässt sich aber nur schwer mit der von heute vergleichen, meint der 101-Jährige. „Vom Operieren bis zum Eingipsen und Kinder auf die Welt bringen zählte alles zu meinen Aufgaben.“ Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm eine Steißgeburt: „Ich musste rasch eine Entscheidung treffen, wichtig war es, den Mund des Säuglings zu finden. Es ist aber alles gut ausgegangen“, sagt Kurz. Im Vergleich zu heute waren die Ärzte damals eher bereit, ein Risiko einzugehen, ist Kurz überzeugt. „Hätte ich bei der Steißgeburt auf einen Krankenwagen gewartet, dann wäre das Kind wahrscheinlich gestorben“, so Kurz.