St. Pölten

Erstellt am 02. November 2018, 06:04

von Lisa Röhrer

St. Pöltnern graut vor Wanzen-Plage. Große Exemplare suchen Unterschlupf in Häusern oder auf Dachböden. Biologe erwartet in nächsten Tagen ganze Schwärme.

 |  shutterstock.com/ Sarah2, Klaus Ulrich Mueller

Klagen über ungebetene Mitbewohner hört man in der Stadt gerade viele. „So viele Wanzen wie heuer hatten wir noch nie“, wundern sich so einige St. Pöltner. Und der subjektive Eindruck dürfte stimmen, wie Wanzen-Experte Marian Gratzer vom Naturschutzbund bestätigt: Wegen des plötzlich kühleren Wetters finde man die Marmorierte Baumwanze und die Amerikanische Kiefernwanze vermehrt in Häusern, auf Dachböden oder in Garagen. „Sie suchen ein Winterquartier“, weiß Gratzer, der deshalb in den kommenden Tagen noch ganze „Wanzen-Schwärme“ erwartet.

Dass die Tierchen früher in der Landeshauptstadt weniger auffielen, sei leicht erklärt: Bei beiden Arten handle es sich um Neozoen, also Tierarten, die nicht in Österreich heimisch sind. Während die Kiefernwanze vermutlich über Holzlieferungen aus Kanada und Amerika nach Europa gekommen sei, stamme die marmorierte Baumwanze aus Ostasien. „Durch den Klimawandel haben sie nun auch bei uns gute Bedingungen. Außerdem haben sie möglicherweise weniger Fressfeinde als heimische Wanzen“, informiert Gratzer.

Beunruhigen müssen einen die tierischen Mitbewohner aber nicht. Sie richten weder Schaden an, noch übertragen sie Krankheiten. „Sie sind maximal lästig, vor allem weil sie furchtbar stinken können“, meint Amateur-Forscher Wolfgang Schweighofer vom Verein „Lanius“. Beide Tiere sondern Sekrete ab, wenn sie sich gestört fühlen, ergänzt Gratzer. „Während jenes der Kiefernwanze für den Menschen eher gut nach Äpfeln riecht, wird das der Baumwanze als stinkend wahrgenommen.“