St. Pöltner Goldgruben für die Archäologen. Forscher heben kleinen Münzschatz in Schneckgasse und dort, wo Raiffeisenzentrale entsteht.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 21. Mai 2020 (04:47)
Bei den Grabungen in der Schneckgasse legten Mitarbeiter der ASINOE ein Skelett eines jungen Rindes frei.   Foto: ASINOE GmbH
ASINOE GmbH

Viele Bauprojekte in St. Pölten bedeuten auch viel Arbeit für die Archäologen – das gilt auch in Coronazeiten.

150 Kartons, 283 Kleinfunde in der Schneckgasse

Die Grabungen am Domplatz sind Geschichte. Die Stadtarchäologen beschäftigen aktuell die Funde aus der Schneckgasse und dem Betriebsgebiet in Ratzersdorf sowie die Grabungsstellen in der Daniel-Gran-Straße, in der Fuhrmannsgasse und beim Universitätsklinikum.

Insgesamt haben sie in der Schneckgasse an der Ecke zur Steinergasse fast 2.000 Schichten dokumentiert, 150 Kartons füllte das geborgene Fundmaterial. 283 Kleinfunde kamen zu Tage, darunter 14 Fibeln. In die römischen Siedlungsschichten waren etliche mittelalterliche Siedlungsstrukturen eingetieft.

Als „bemerkenswert“ bezeichnet Stadtarchäologe Ronald Risy den Fund dreier vollständig erhaltener Skelette junger Rinder. Ein kleiner Schatz mit 70 Silbermünzen wurde ebenfalls gefunden. „Aus dem 12. oder 13. Jahrhundert nach Christus“, bestätigt Risy.

Münzenfund am neuen Raiba-Standort

Bei den Grabungen an der Ecke Kremser Landstraße/Daniel-Gran-Straße klimperte es ebenfalls. Wo in absehbarer Zeit die Baustelle für die neue Raiffeisen-Zentrale eingerichtet wird, entdeckten die Archäologen passenderweise 19 Münzen.

Spannende Aufschlüsse erwartet sich Risy auch von den Grabungen auf der Baustelle des Universitätsklinikums: „In diesem Bereich befindet sich ein landwirtschaftlicher Betrieb aus der Römerzeit. Vereinzelt treten auch urgeschichtliche Befunde auf.“

Bevor in der Fuhrmannsgasse 3-7 ebenfalls die Bagger für einen neuen Wohnbau anrollen, werden auch hier noch die Archäologen das historische Erdreich durchkämmen. Aus Grabungen um die Jahrtausendwende dürften hier neben zwei barocken Kellern auch die Überreste eines römerzeitlichen Gebäudes zu finden sein. Diese Räume waren zum Teil sogar mit einer Fußbodenheizung ausgestattet.