Manuela Bittgen: „Schule muss auch anders gehen“. Pädagogin gibt System schlechte Noten. In St. Pölten will sie eine Schule nach ihren Ideen gründen. Suche nach Träger läuft.

Von Lisa Röhrer und Renate Hinterndorfer. Erstellt am 12. Februar 2020 (03:08)
Manuela Bittgen will eine Gemeinschaftsschule in St. Pölten eröffnen.
privat

50-Minuten-Einheiten, Frontalunterricht und zu wenig Zusammenarbeit zwischen Schülern, Lehrern und Eltern. Als Manuela Bittgen nach ihrem Lehramtsstudium in den Alltag als Pädagogin startete, merkte sie, wie wenig sie mit dem herrschenden System Schule anfangen kann: „Ich habe das Unterrichtspraktikum gemacht, gesehen wie die Lehrer von Klasse zu Klasse hetzen und mir dann gedacht: Schule muss auch anders gehen.“

Das will sie nun in oder nahe St. Pölten mit einem vierköpfigen Team beweisen: In den vergangenen Jahren entwickelte Bittgen das Konzept für ihre „Gemeinschaftsschule Metamorphose“. Bei einem Info-Abend in der FH wurde das Konzept mit der ehemaligen Bildungsministerin Sonja Hammerschmied als prominenteste Unterstützerin vorgestellt. Die Grundidee ist, nach der Volksschule eine Schule für alle zu errichten, die man am Ende mit der Matura abschließt.

„Ich habe das Unterrichtspraktikum gemacht, gesehen wie die Lehrer von Klasse zu Klasse hetzen und mir dann gedacht: Schule muss auch anders gehen.“

Bittgen setzt auf das Stärken von Stärken und selbstständiges Arbeiten mit Mentoren statt Lehrern. Mit den Fächern „Verantwortung“ und „Herausforderung“ sollen die Schüler zudem ermutigt werden, Entscheidungen zu treffen und dafür geradezustehen.

Geplant ist die Bildungsstätte als Ganztagsschule. Die Beurteilung wird nicht nur auf Ziffernnoten basieren. Sie wird sich aus einem Morphbuch, in dem die Schüler das Erarbeitete dokumentieren, Zertifikaten und dem Zeugnis zusammensetzen.

Damit dieses Konzept Realität wird, wurde nun eine Petition gestartet, in der die Umsetzung der Gemeinschaftsschule als weiterführende höhere öffentliche Schule gefordert wird. „Wir hören von allen Seiten, wie toll unser Projekt ist, aber bis zum heutigen Tag hat kein Entscheidungsträger den Mut gefasst, es auch in die Tat umzusetzen“, heißt es vom Projekt-Team.

Die Stadt St. Pölten ist derzeit kein möglicher Träger: „Es wurde festgestellt, dass die Stadt keine Trägerschaft dieser angedachten Schule übernehmen wird“, heißt es aus dem Rathaus. Betont wird aber, dass man das Team, wenn es um Beratung rund um die Erlangung erforderlicher Genehmigungen geht, unterstützen möchte.

Als Standorte kommen für Bittgen auch Kirchstetten oder Purkersdorf in Frage. Gespräche mit Vertretern aus dem Bildungsbereich laufen, Zuständigkeiten mit Land und Bund werden geklärt.