Ein Blick auf die Zukunft der Landwirtschaft. „Was sind unsere Lebensmittel wert?“ diskutierten die NÖN und die Landwirtschaftskammer Niederösterreich bei der ersten von fünf Diskussionsrunden im Zentralraum.

Von Corina Berger. Erstellt am 07. November 2019 (19:08)
Corina Berger
Moderiert von Anita Kiefer stellten sich bei der NÖN-Diskussion Spar-Geschäftsführer Alois Huber, LKNÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager, NÖN-Chefredakteur Daniel Lohninger, die Pressesprecherin des AMA-Marketing Manuela Schürr und WKNÖ-Spartenobmann Mario Pulker (v. l.) den Zukunftsfragen der Landwirtschaft.

Welchen Wert messen wir unseren Lebensmitteln bei? Wie viel sind Kunden bereit dafür zu zahlen? Und wie realistisch ist die verpflichtende Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Lebensmittel?

Fragen, die Landwirte neben dem Klimawandel und den Nachwuchssorgen seit Langem beschäftigten. Für die Niederösterreichischen Nachrichten und die Landwirtschaftskammer Niederösterreich war es also an der Zeit, die Initiative „Landwirtschaft geht uns alle an!“ ins Leben zu rufen, bei der Interessensvertreter miteinander diskutieren, neue Ideen suchen und Lösungsansätze vorantreiben.  

Verpflichtende Herkunftskennzeichnung scheidet die Geister

Im Mittelpunkt der Diskussion stand gleich zu Beginn die verpflichtende Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Lebensmittel, die einige kritisch betrachten. Für Landwirtschaftskammer NÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager wäre sie enorm wichtig, um am Markt attraktiv zu bleiben.

„Wenn ich Bestandteile aus anderen Ländern in meinen Lebensmitteln habe, muss ich das kennzeichnen“, verweist er auf Transparenz im Wettbewerb. Für Gastronomen ein durchaus kompliziertes Unterfangen: „Die Gäste haben unterschiedliche Erwartungen und der Freihandel macht es uns nicht einfacher. Deshalb ja, aber auf freiwilliger Basis, damit wir die Diversität der Betriebe erhalten können“, so Mario Pulker, Spartenvertreter der Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Niederösterreich.

Auch der Handel sträubt sich gegen die mögliche Pflicht: „Alles verpflichtend kennzeichnen wäre viel Aufwand für den Erzeuger und Urproduzenten, das stelle ich mir sehr schwierig vor“, ist Spar-Geschäftsführer Alois Huber ebenfalls für eine freiwillige Lösung. Diese Aussagen lassen Schmuckenschlager appellieren: „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir wollen nur fair behandelt werden.“

Falsche Erwartungen sind ein Problem

Einigkeit herrschte hingegen über die Macht des Konsumenten und seines „Börserls“, entscheidet er doch schlussendlich, was in seinem Einkaufswagen landet. Die Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität in puncto Landwirtschaft ist bei Konsumenten aber oftmals groß, wie die lebhafte Diskussion mit dem Publikum zeigt.

„Wir Journalisten müssen uns in die Pflicht nehmen und aufzeigen, wie das echte Bild der Landwirtschaft aussieht. Die Menschen wollen ja auch wissen, wie entsteht was, und dazu brauchen wir unsere Partner vor Ort“, betont NÖN-Chefredakteur Daniel Lohninger.