Hoffnung und Freude auf 2024 in St. Pölten. Die Kulturhauptstadt 2024 stand im Mittelpunkt des zweiten Teils der Stadtgespräche mit den Spitzen der St. Pöltner Parteien.

Von Martin Gruber-Dorninger und Max Steiner. Erstellt am 30. Juli 2020 (04:46)

Über Kulturelles sprach die NÖN im zweiten Teil der Stadtgespräche mit Bürgermeister Matthias Stadler von der SPÖ, Vizebürgermeister Matthias Adl von der ÖVP, FPÖ-Stadtparteiobmann Klaus Otzelberger und der Sprecherin der Grünen Christina Engel-Unterberger. Im Mittelpunkt steht die NÖ Kulturhauptstadt 2024, die ein Kinderkunstlabor (Kikula), neuen Glanz für Festspielhaus, Klangturm und Synagoge sowie einen umgestalteten Domplatz bringt.

NÖN: Wie wird sich St. Pölten durch die NÖ Kulturhauptstadt 2024 verändern?

Matthias Stadler (SP): Die größte Veränderung liegt hoffentlich darin, dass wir über die Stadtgrenzen hinaus bewusst machen, welchen kulturellen Schwerpunkt die Stadt jetzt schon hat. Durch zusätzliche Programmpunkte und Infrastruktur werden wir das noch deutlich upgraden und österreichweit kulturell mit anderen Landeshauptstädten gleichziehen.

Matthias Adl (VP): St. Pölten hat eine Chance, sich der Bevölkerung in einem breiteren Spektrum ins Bewusstsein zu rufen. St. Pölten rückt in den Mittelpunkt, was die Identität der Stadt betrifft. Die Menschen werden ihre Stadt noch mehr als ihre Hauptstadt begreifen, auf einer anderen Ebene, als sie es vorher getan haben.

Klaus Otzelberger (FP): Das Land zahlt bei der Kulturhauptstadt mit, auf diese Chance darf man nicht verzichten. Einige Projekte werden in St. Pölten für unsere Bürger realisiert. Der Domplatz wird sich stark verändern. Der Domplatz darf jedoch nur autofrei gestaltet werden, wenn vorher die versprochene Parkgarage im Domgarten realisiert wird.

Christina Engel-Unterberger (Grüne): Es ist bedauerlich, dass die Kulturhauptstadt nicht in der geplanten europäischen Variante stattfinden wird. Die NÖ Kulturhauptstadt wird aber auch so eine Bereicherung für die kulturelle Vielfalt der Stadt werden. Der Boost an Beteiligung, den die Vorbereitungsarbeit gebracht hat, sollte erhalten bleiben. Und es wird uns hoffentlich einen autofreien Domplatz bringen. Idealerweise geht das mit einer Verkehrsberuhigung für die Innenstadt einher.

Wachsen Stadt und Land durch die Kulturhauptstadt endlich zusammen?

Stadler (SP): Ich würde das „endlich“ streichen. Wir sind in den letzten Jahren sowohl durch die Kulturhauptstadt-Bewerbung als auch die Straßenplanungen intensiv zusammengewachsen. Es gibt ein gemeinsames Bestreben, die eigene Landeshauptstadt weiterzuentwickeln. Das hat uns zusammenrücken lassen. Dabei sind Kultur und Tourismus entscheidende Faktoren.

Adl (VP): Bereits in der Vorbereitung zur Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt haben Stadt und Land nicht nur den gemeinsamen Willen bewiesen, sondern auch fraktionsübergreifend zusammengearbeitet. Einige Dinge sind von allen Seiten eingebracht worden. Diese Zusammenarbeit kann aber noch weiter wachsen.

Otzelberger (FP): Wir sehen es als eine Notwendigkeit, da das Regierungsviertel und die Innenstadt seit vielen Jahren aneinander vorbeileben. Dieses parteipolitische Geplänkel ist für eine Landeshauptstadt nicht konstruktiv. Mit dem Kikula könnte eine Brücke vom Landhaus in die Stadt geschlagen werden. Viele Pendler, die im Regierungsviertel arbeiten, haben unsere einzigartige Barock-Innenstadt bis heute nicht kennengelernt. Hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf.

Engel-Unterberger (Grüne): Die Arbeit an so einem Projekt lädt dazu ein, sich besser kennenzulernen. Das Potenzial zum Zusammenwachsen ist also da, Automatismus sehe ich da aber keinen. Es kann auch sein, dass man sich dadurch auch weiter voneinander entfernt.

Gibt es etwas, worauf Sie besonders gespannt sind?

Stadler (SP): Gespannt bin ich derzeit, wie die Hearings für die künstlerische Leitung ausfallen. Wie die Struktur, die wir politisch geschaffen haben, mit Kulturleben gefüllt wird. Da werden die entscheidenden Weichen gestellt. Der Kultursektor ist von der Coronakrise sehr betroffen. Wir haben die Entwicklung in die eigene Hand genommen. Durch Investitionen bekommen wir viele Einnahmen über die Umwegrentabilität herein.

Adl (VP): Das spannendste Projekt ist für mich tatsächlich das Kinderkunstlabor. Dort wird versucht, etwas Neuartiges auf den Weg zu bringen. Kindern und Familien wird eine Möglichkeit geboten, auf eine andere Art und Weise Kunst und Kultur kennenzulernen. Das wird vielschichtig einen breiteren Zugang schaffen.

Otzelberger (FP): Wir sind gespannt, ob es möglich ist, den Domplatz zu bespielen, oder ob es ein zweiter leerer Platz wird. Im Jänner und Februar herrscht am Rathausplatz gähnende Leere. Auch die Entwicklung des Kikula wird spannend, da es wichtig wird, neue Höhepunkte für den Tourismus zu bringen.

Engel-Unterberger (Grüne): Ich bin wirklich gespannt darauf, was aus Kikula und Altoona-Park wird. Wie das baulich umgesetzt wird, ohne massiv in den Grünraum einzugreifen. Wir halten es für wichtig, der Kultur viel Raum zu geben. Hinter der Standort-Entscheidung stehen leider polit-strategische Gründe. Es wäre spannend, diesbezüglich noch einmal in eine detaillierte Auseinandersetzung zu gehen.

Was würden Sie gerne in St. Pölten kulturell sehen?

Stadler (SP): Für mich wird das erste große Konzert auf dem Domplatz ein Highlight sein.

Adl (VP): Der Domplatz kann für eine breite Palette an Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Ich werde mich gerne von den Kunstschaffenden überraschen lassen.

Otzelberger (FP): Beim Programm wäre es wichtig, mehr auf unsere Geschichte und Tradition zu achten. Unser wunderschöner alter Dom sollte mehr ins Zentrum gerückt und für den Tourismus besser vermarktet werden. Das wünsche ich mir auch für unser Europaballett. Denn es ist eine Institution, die weit über die Grenzen hinaus bekannt ist und in großen Häusern weltweit erfolgreich auftritt.

Engel-Unterberger (Grüne): Mich persönlich würden Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien interessieren. Es gibt dafür in St. Pölten einen großen Bedarf. Sehr freuen würde ich mich über öffentliche Aufführungen, gerne auch am Rathausplatz oder an anderen Orten. Ich komme ursprünglich aus Graz. Dort gibt es das internationale Straßentheaterfestival „La Strada“. Das nutzt den öffentlichen Raum und lädt zum Mitmachen ein.

Was interessiert Sie an Kultur?

Stadler (SP): Musikalisch schätze ich Barockmusik sehr. Vivaldi, Händel oder Telemann. Ich liebe aber auch Jazz in all seinen Facetten. Bei der bildenden Kunst schätze ich Arnulf Rainer und Alfred Hrdlicka sehr.

Adl (VP): Wie es Künstler schaffen, immer wieder neue Ausdrucksweisen zu finden. Jeder kann sich zu Kunstwerken einen eigenen Zugang schaffen. Wenn man mit einem Künstler auch noch darüber diskutieren kann, was dessen Zugang war, dann ist das befruchtend und schafft mehr Raum, um Kunst und Künstler zu verstehen. Das ist auch das Anliegen des Kinderkunstlabors. Musikalisch ist es spannend, wie man traditionelle Werke neu interpretieren kann und auch neue Kompositionen schafft. Mein musikalisches Interesse ist vielfältig, besonders gerne höre ich die Beatles.

Otzelberger (FP): Ich höre gerne Schlager von einem der größten Künstler unserer Zeit Andreas Gabalier. Gerne genieße ich auch einen schönen Operetten- oder Opernabend. Am liebsten sitze ich aber beim Blasmusikkonzert im Biergarten.

Engel-Unterberger (Grüne): Bis zur Matura habe ich mich intensiv musikalisch betätigt. Klavier hatte ich als Hauptfach und ich sang viel in Chören. Ich habe einen breiten Kunst- und Kulturbegriff. Bei der bildenden Kunst interessiert mich besonders die Fotografie. Die Ausstellung „Blick von außen“ im Stadtmuseum habe ich sehr genossen. Ich würde mir wünschen, dass das Jahr 2024 auch St. Pöltner Künstlern eine Bühne bietet.