Matthias Stadler: „Wir schauen auf Grünraum“. Matthias Stadler spricht über gemeinsame Projekte mit Land und seinen Einfluss gegen das Zubauen.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 13. Januar 2021 (04:21)
Als letzter Kandidat stellte sich Bürgermeister Matthias Stadler den Fragen von NÖN-Redaktionsleiter Martin Gruber-Dorninger. Nun folgt noch die Runde der Spitzenkandidaten und -kandidatinnen.
Straubinger

Bevor die Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten bei der großen Online-Diskussionsrunde aufeinandertreffen, bat die NÖN zum Abschluss der Einzelgespräche Bürgermeister Matthias Stadler auf den roten NÖN-Stuhl. Er sprach über die Beteiligung der Bürger, die Entwicklung des Verkehrs und den Wohnbau in St. Pölten.

NÖN: Wo ist Ihr Lieblingsplatzerl?
Matthias Stadler: Einer ist in meinem Garten unter einem Baum. Da kann ich mir verschiedene Dinge überlegen. Ansonsten hab ich den Viehofner See ins Herz geschlossen. Das war mein erstes großes Projekt.

Wie wollen Sie dem Bedürfnis der Bürger nach mehr Beteiligung entgegenkommen?
Wir haben schon Übung darin. Gerade mit dem Kulturhauptstadtprojekt 2024 haben wir gezeigt, dass wir bei so wichtigen Projekten alle Bürger einbinden wollen. Es gab Treffen und darin geäußerte Wünsche wurden eingearbeitet und sind eingeflossen. Wir machen auch jetzt Bürgerbeteiligung bei der Promenade und beim Sturm-19-Park.

„Wir haben alle Projekte gemeinsam mit dem Land NÖ entwickelt und gestaltet. Es ist nicht das eine Stadtidee und das andere Landesidee.“ Bürgermeister Matthias Stadler

Die ÖVP meinte zuletzt, für den Standort des Kinderkunstlabors im Altoona-Park sei alleine die SPÖ verantwortlich. Ist das tatsächlich so?
Wir haben alle Projekte gemeinsam mit dem Land NÖ entwickelt und gestaltet. Es ist nicht das eine Stadtidee und das andere Landesidee. Wir haben es uns nicht leicht gemacht, weder ich noch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Fachleute haben die Standorte untersucht und befunden, dass der Altoona-Park jener mit den größten Vorteilen ist, mit genug Freiraum für die Kinder. Der Park kommt auch nicht weg, wir wollen ihn noch schöner gestalten und der Mammutbaum wird überleben.

Wie wichtig ist die S 34 in den Planungen für den Stadtverkehr?
Verkehrs- und Mobilitätsthemen darf man nie an einem einzelnen Straßenprojekt aufhängen. Hier geht es um ein Gesamtkonzept. Wir haben ein Generalverkehrskonzept gemeinsam mit dem Land NÖ entwickelt. Dabei haben im Gemeinderat alle Parteien zugestimmt. Darin ist auch die S 34. Ebenso die Forderung nach dem Ausbau der Traisentalbahn und einem S-Bahn-System im Zentralraum. Die S 34 hat die Aufgabe, die Wohngebiete entlang der B 20 zu entlasten. Dabei werden auch Lebensraumachsen geschaffen, die Fußgängern und Radfahrern mehr Raum bieten.

St. Pölten hat derzeit nur einen einzigen Kassen-Kinderarzt. Was kann die Stadt tun, um mehr Ärzte anzulocken?
Es betrifft nicht nur Kinderärzte, sondern auch Allgemeinmediziner. Es ist kein St. Pöltner Phänomen. Im Gemeinderat haben wir einstimmig eine Resolution beschlossen, die fordert, mehr Ärzte auszubilden. Bei der Covid-Situation hat man gesehen, dass uns nicht die Betten ausgehen werden, sondern die Ärzte und Pfleger. Hier gehören Initiativen zur Ausbildung und Bezahlung der Ärzte gesetzt, um den Beruf attraktiver zu machen. Ich frage mich schon, ob es richtig war, die Krankenkassen zu zerschlagen. Davor hatten wir diesbezüglich keine Probleme.

Es betrifft nicht nur Kinderärzte, sondern auch Allgemeinmediziner. Es ist kein St. Pöltner Phänomen

Ein prägendes Thema in diesem Wahlkampf ist der Bau. Warum wird in St. Pölten so viel gebaut?
Ich kann den St. Pöltnern sagen, dass ich alles, was in meinem Einflussbereich steht, tun werde, damit nicht alles zugebaut wird. Wir werden auf den Grünraum schauen. Auf der anderen Seite sind wir attraktiver als Wohnstadt geworden. Andererseits bringt ein höheres Angebot bei gleichbleibender Nachfrage auch billigere Wohnpreise. Wir sind bei den Quadratmeter-Preisen der Landeshauptstädte Schlusslicht. Wenn es die ÖVP wirklich ernst meint, dann fordere ich Vizebürgermeister Adl auf, noch vor der Wahl tätig zu werden. Denn zwei Drittel der errichteten Wohnungen werden von ÖVP- oder landesnahen Wohnbauträgern errichtet.