Fischer Mike fischt frische Fische. Landwirt und Fischzüchter „Mike“ Seiller-Tarbuk gibt Einblicke in sein alternatives Konzept und stellt seine Anlage vor.

Von Lukas Kalteis. Erstellt am 11. September 2020 (03:28)
„Mike“ Seiller-Tarbuk und Mitarbeiter Marek Oleksy erzählen mit Hund Charly über ihren Arbeitsalltag am Hof. Bei den Fischteichen neben der Traisen, die griechisches Flair vermitteln, können regionale Fische gekauft werden.
Kalteis

Auf der Suche nach kulinarischen Abenteuern und etwas Ruhe wird man am südlichen Rand von St. Pölten nicht enttäuscht.

Etwas versteckt findet man zwischen der Hauptstraße und der Traisen sechs romantisch-verwachsene Fischteiche und mehrere Holzhütten, die mit ihrer blau-weißen Farbe an den letzten Griechenlandurlaub vor der Corona-Pandemie erinnern.

Der Besitzer Michael „Mike“ Seiller-Tarbuk betreibt seit nunmehr elf Jahren gemeinsam mit seiner Gattin und Mitarbeiter Marek Oleksy „Mike‘s Farm“ mit mehr als einem Hektar Wasserfläche. Mike ist 59 Jahre alt und trotzdem Jungbauer. Er erzählt, dass er ein gebürtiger Wiener aus der Stadt sei, in der Gastronomie und im Büro tätig war, bevor er es ihn aufs Land verschlug.

„Wollte ursprünglich Selbstversorger werden“

„Nach der Wirtschaftskrise 2009 wollte ich Selbstversorger werden, habe mir einen alten, abgeschiedenen Hof im Wienerwald gekauft und begonnen mit verschiedenen Tierarten zu experimentieren. Nachdem die Nachfrage an meinen Produkten immer größer wurde, beschloss ich mein Hobby zum Beruf zu machen und die Fischteiche zu übernehmen“, schildert der Landwirt seinen Lebensweg und beginnt, begleitet von seinem treuherzigen Hund Charly, eine Führung durch seine Anlage.

In den von Bäumen und Sträuchern umrahmten Teichen finden Forellen, Saiblinge und Karpfen ausreichend Platz und können im Traisenwasser langsam heranwachsen. „Das ist mir sehr wichtig, denn wir müssen wieder lernen, dass Qualität vor Quantität stehen soll“, so Mike. Die Qualität und die Naturbelassenheit stehen bei den Seiller-Tarbuks generell an oberster Stelle. Von konventioneller Landwirtschaft halten sie nicht viel. Die Fische werden regelmäßig mit großen Fangnetzen in kleinere Gewässer gezerrt, damit jeder Fisch fangfrisch ist und der Kunde nicht ewig auf einen Fang warten muss. Die Fische werden entweder vakuumiert oder geräuchert verkauft. Dafür hat Mike eine Räucherkammer aus Lehmziegel entworfen, die die Wärme besser speichert, die Garzeit verkürzt und so ein Austrocknen verhindert.

Ein „Entenhausen“ in Ochsenburg

Aber nicht nur Fische leben in der verschlafenen Anlage. Mike hält auch mehrere Enten, die auf einer schwimmenden Insel brüten können. „Entenhausen“, wie er die kleine Holzinsel mit zwei Hütten liebevoll nennt, habe er gebaut, da der Fuchs zu oft zu Besuch gewesen sei.

Für Gruppen und Feiern bietet Mike die Möglichkeit selbst Fische zu angeln, sie zu verarbeiten und am Lagerfeuer zu grillen. „Das ist besonders für Kinder aus der Stadt, die noch nie in ihrem Leben einen lebenden, glitschigen Fisch in der Hand hatten, ein besonderes Erlebnis. Aber auch Erwachsene lernen dabei Respekt und Wertschätzung gegenüber Tieren“, erklärt Mike, während Hund Charly versucht, eine Ente zu erwischen, aber enttäuscht ans Ufer zurückschwimmen muss.

Beim Sonnenuntergang über den idyllischen Teichen glaubt man fast, am Mittelmeer zu sein. Nur das Rauschen der Wellen fehlt. Dafür kann man die Fische hören, die an die Oberfläche kommen und nach Insekten schnappen.