Wie grün ist St. Pöltens Fernwärme?

Erstellt am 08. Juni 2022 | 05:15
Lesezeit: 3 Min
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Fridays for Future St. Pölten und Global 2000 erkennen 0 Prozent erneuerbare Energien in St. Pöltens Fernwärme
Foto: Bernhard Brenner
Aktivist_innengruppen bekritteln fehlenden Bezug aus erneuerbaren Energien und fehlenden Plan. Stadt und EVN dementieren.
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Fridays for Future St. Pölten und Global 2000 fordern einen Plan der Stadt für einen Umstieg auf erneuerbare Energie. Rund 40 Prozent der St. Pöltner Haushalte sind an die Fernwärme der Stadt angeschlossen. Diese wird zu 41 Prozent mit Gas und zu 59 Prozent in der Müllverbrennungsanlage Dürnrohr produziert, und damit laut den Organisationen mit null Prozent Erneuerbaren Energien.

"Müllverbrennung ist natürlich nicht so schlecht wie Gas, aber wir wollen ja hin zu einer Kreislaufwirtschaft, also zu weniger Müll", erklärt Johanna Frühwald von Fridays for Future St. Pölten.

Die EVN betont die Energieeffizienz von Dürnrohr. Abwärmenutzung zähle zu den sinnvollsten Maßnahmen im Energiebereich. 

Auch die Stadt kann den Vorwurf nicht nachvollziehen. Im Masterplan gebe es sehr wohl ein Konzept für den Umstieg. 

Stadt will weg vom Gas

Energiebeauftragter Thomas Zeh erklärt, schon nächstes Jahr soll der Erdgas-Anteil auf unter 20 Prozent gesenkt werden, „da unsere Anlage, die sowohl Strom als auch Wärme mit Erdgas erzeugt, stillgelegt wird.“ Dafür wurden neun Millionen Euro investiert, unter anderem für neue Heizkessel. 

Die Firma Egger hat außerdem eine acht Megawatt Biomasse-Anlage errichtet und versorgt damit auch andere Betriebe. Und die EVN beschäftigt sich mit der Errichtung eines Biomassewerkes, dessen Energie mittelfristig auch in das Fernwärmenetz eingespeist und rund zwölf Prozent des benötigten Wärmebedarfs liefern soll. 

Auf Basis verschiedener Studien aus Deutschland, bei denen von einem 50-prozentigen biogenen Anteil im Müll ausgegangen wird, habe die Stadt zudem durch den Anschluss an Dürnrohr jetzt schon rechnerisch einen Anteil von rund 33 Prozent erneuerbarer Energie im Wärmeangebot, sagt Zeh.

Auch sonst 33 Prozent Gasheizungen

Von den restlichen Haushalten, die nicht an die Fernwärme angeschlossen sind, heizen 33 Prozent mit einer Gasheizung, drei Prozent mit Öl, 13 Prozent nutzen Strom und elf Prozent Biomasse für ihre Wärmeversorgung, ergab eine Global 2000-Erhebung 

Als einer der ersten reagierte VP-Gemeinderat und Klubobmann Florian Krumböck auf die Aktion von Global 2000 und Fridays for Future. Er verwies zusätzlich auf den Aspekt der Teuerungen: „Die stark gestiegenen Preise bei der Fernwärme haben ihren Ursprung bei den hohen Kosten für Gas- und Ölprodukte. Eine Umstellung weg von fossilen Energieträgern würde damit auch die Haushalte in St. Pölten entlasten.“

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