Glückliche Gäste und Gastgeber in St. Pölten. Wirt und Besucher konnten einander wieder real begegnen. Am sonnigen Samstag lockten vor allem die Schanigärten.

Von Beate Steiner. Erstellt am 19. Mai 2020 (17:24)

Geräuschkulisse, Gewurrl und Feeling am Herrenplatz lassen pandemische Zeiten fast vergessen: Es wird gegessen, getrunken, gelacht, jeder Platz, jeder Tisch ist besetzt am Samstagvormittag. Die Tische allerdings stehen weiter auseinander, verbinden den Herrenplatz mit der Herrengasse und der Wiener Straße.

Stierschneider läuft in Osteria zur Koch-Hochform auf

„Der Samstag war super. Klar haben wir jetzt weniger Tische, aber alle waren voll belegt. Und man hat so richtig gemerkt, wie die Leute dankbar sind, dass wieder Leben da ist“, schwärmt Michael Glöckel über die Gäste in seinem Café Schubert.

Der Sonntag war dort der schwächste Tag. „Die Leute haben offenbar jetzt eine andere Routine, da müssen wir sie wieder rausholen, zum Beispiel zum gemütlichen Frühstücken im Kaffeehaus“, meint der Schubert-Gastronom.

Nebenan, in der Osteria von Erich Stierschneider, läuft der Wirt mit neuem regionalen Einkaufskonzept schon zur Koch-Hochform auf. „Ich war bereits am Freitag total ausgebucht“, freut sich Stierschneider, dass er seine Gäste mit feinen Kreationen aus lokalen Zutaten bekochen kann.

Am regnerischen Freitag suchten nach Zapfbier durstige und nach Wirtshausfeeling ausgehungerte Gäste also auch schon die Gastronomen ihres Vertrauens heim, aber halt ohne Schanigarten-Stimmung. „Es hat schon gut gepasst“, meint Vino-Wirt Helmut Gschmeidler, „die Gäste waren alle sehr gut drauf und dankbar, dass sie sich wie früher real getroffen haben. Viele haben bis zur Sperrstund‘ um 23 Uhr ausgehalten.“

Bewusster und geschätzt: Rathausplatz als Gastroplatz

Das war am Rathausplatz nicht anders. Dort haben die Gastronomen die Tische ihrer Schanigärten weiter auseinandergestellt, der riesige Platz wirkt am sonnigen Samstag und Sonntag wie ein einziger Gastgarten – mit wenigen freien Plätzen. Das bestätigt Gastronom Otto Raimitz: „Halb St. Pölten war im Schau.Spiel. Manche Stammgäste sind an diesem Wochenende gleich mehrere Male gekommen.“

Raimitz ist überzeugt, dass den Menschen in der Gastro-losen Zeit bewusst geworden ist, wie wichtig gute Lokale für ihr Wohlbefinden sind.

Auch abseits der Hotspots Herrenplatz und Rathausplatz sind die Gastronomen und ihre Mitarbeiter froh, dass sie wieder für die Gäste da sein können. Wie Embrli Ziberi in seinem Café Easy in der Schreinergasse.

„Die Leute haben sich sehr gefreut, dass sie mich wieder einmal persönlich gesehen haben und ihr Eis hier essen und nicht nur mitnehmen konnten“, lacht der Cafétier.

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