Einsätze bei „Betreuen und Pflegen zuhause“ steigen. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer mehr Menschen pflegen müssen, so die Prognose im aktuellen NÖ Altersalmanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk St. Pölten.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 09. Juli 2019 (05:35)
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Symbolbild

Bis 2030 wird es in St. Pölten schon rund 4.000 über 80-Jährige geben, ein Drittel mehr als jetzt. Im Bezirk steigt die Zahl sogar um die Hälfte von 6.400 auf 9.700. Das prognostiziert der aktualisierte NÖ Altersalmanach. Mit diesen Zahlen kann der steigende Bedarf in der Pflege für die nächsten Jahre abgeschätzt werden und so die Versorgung sichergestellt werden.

Quelle: NÖ Altersalmanach; Illustration: Mascha Tace/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

Die Erfahrungen der Pflegeanbieter in der Region zeigen, dass die Menschen immer später in ein Heim ziehen. Die Nachfrage im mobilen Pflegebereich steigt daher ständig, weiß Rotkreuz-Bezirksgeschäftsführer Sebastian Frank.

Bei „Betreuen und Pflegen zuhause“ der Caritas stieg die Zahl der Einsatzstunden im Vorjahr um zehn Prozent, bestätigt Regionalleiter Franz Dorn den Trend. „Das war eine gewaltige Herausforderung. Sie konnte nur durch den Einsatz und die Flexibilität der Mitarbeiter in den Sozialstationen bewältigt werden“, sagt Dorn.

Franz Dorn: Imagekampagnen sind nötig

Die Ferienzeit fordert jetzt den mobilen Pflegedienst, weil urlaubsbedingt die Personaldecke dünn sei. Der steigende Bedarf führt dazu, dass alle zusätzliche Mitarbeiter suchen. Einige Stellen sind derzeit frei. Das Rote Kreuz benötigt für Stadt und Bezirk aktuell einen Diplomierten Gesundheits- und Krankenpfleger, zwei Pflege-Fachassistenten und zwei Heimhelfer. Bei den sechs Hilfswerk-Stationen in Stadt und Bezirk gibt es 22 Stellen zu besetzen. Die Volkshilfe freut sich ebenfalls Bewerbungen von Menschen aus Gesundheitsberufen.

Um genügend Bewerber zu finden, wollen die Pflegeanbieter ein besseres Bild von den Jobs vermitteln. „Die Caritas in Kooperation mit dem Arbeitslosenfonds der Diözese leistet mit der Übernahme von Ausbildungskosten einen wichtigen Beitrag, damit insbesondere Wiedereinsteigerinnen einen zukunftssichernden Job ihn Wohnortnähe bekommen“, erklärt Dorn. Er hält Imagekampagnen speziell für Gesundheitsberufe für nötig, um den steigenden Personalbedarf zu decken.

„Mit diesem Job ist viel Positives verbunden. Beispielsweise, gutes Feedback und Dankbarkeit von den Klienten, der Aufbau persönlicher Kontakte in einem Familienverbund, hohe Jobsicherheit und Gestaltungsfreiheit“, zählt Sebastian Frank die schönen Seiten auf.

Zwei bis drei Monate warten auf Heimplatz

Erst wenn es zu Hause wirklich nicht mehr geht, auch nicht mit einer 24-Stunden-Betreuung, melden sich die meisten für einen Platz im Pflegeheim an. Ein weiterer Grund, ins Heim zu gehen, ist die Abschaffung des Pflege-Regresses. Seit 2018 darf zur Finanzierung des Heimplatzes nicht mehr auf das Vermögen der Betreuten und Angehörigen zurückgegriffen werden. Aus Erfahrung weiß die Leiterin des Caritas-Pflegeheims Haus St. Elisabeth in St. Pölten-Wagram Daniela Kaufmann, dass Personen etwa zwei bis drei Monate auf einen Heimplatz warten.

Wie auch in den anderen Heimen sind auch die 120 Betten für die Langzeitpflege im Haus an der Traisen in St. Pölten ausgelastet. „Die Nachbelegung erfolgt laufend“, weiß Pflegedienstleiter Jörg Ney. Einen sprunghaften Anstieg habe man mit Abschaffung des Pflegeregresses aber nicht verzeichnet.

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