Privat-Patienten sind schneller am OP-Tisch. Unzulässige Praxis / Zeitschrift „Konsument“ deckte Missstand auch im St. Pöltner Spital auf. Landeskliniken-Holding droht Konsequenzen an.

Erstellt am 03. Februar 2014 (23:59)
Von Daniel Lohninger

Gibt es eine Zwei-Klassen-Medizin am Landesklinikum St. Pölten? Nein, sagt die Landeskliniken-Holding. Ja, sagt der Verein für Konsumenteninformation (VKI). Der testete Spitäler in ganz Österreich und kam zum Schluss, dass es am Landesklinikum St. Pölten manchmal mit einem Operationstermin für Privat-Patienten schneller gehen kann. So wurde einer Testperson von einem Orthopäden ein früherer Hüft-OP-Termin in Aussicht gestellt, wenn sie Privatpatientin sei. Laut Testbericht der Zeitschrift „Konsument“ argumentierte der Arzt damit, dass er zwei bis drei OP-Termine pro Woche für Privatpatienten „frei“ habe.

„Weitere Transparenz-Mechanismen einziehen“

„Reservierungen für ‚eigene‘ Patienten über die Privatordination sind aber unzulässig“, urteilt Patientenanwalt Gerald Bachinger. Verglichen mit anderen Spitälern ging es in St. Pölten aber eher harmlos zu: In Krems wurden der Patientin bei Zahlung von 1.000 Euro an den Arzt auch alle Sonderklasse-Leistungen angeboten – das Geld stünde aber nicht dem Arzt, sondern der Landeskliniken-Holding zu. In Wr. Neustadt wurden der Krankenkasse falsche Leistungen verrechnet.

Die Landeskliniken-Holding versichert, dass die dokumentierte Praxis inakzeptabel sei. Holdingsprecher Bernhard Jany sieht nur eine „vereinzelte Vorgangsweise mancher Ärzte“, die „entgeltliche private Behandlung und OP-Termine in öffentlichen Spitälern vermischen“. Und weiter: „Das geht zu Lasten der Patienten.“ Die Wartezeiten seien transparent und öffentlich zugänglich im Internet einsehbar. Jany: „Wir werden weitere Transparenz-Mechanismen einziehen und Praktiken, die dem zuwiderlaufen, unterbinden.“

„Wir wussten, dass es diese Praxis gibt, hatten aber kaum Beweise“

Das fordert auch Bachinger. Dank des VKI-Tests würden erstmals Fakten am Tisch liegen: „Wir wussten, dass es diese Praxis gibt, hatten aber kaum Beweise.“ Grund dafür sei, dass nicht nur die Ärzte profitieren, sondern auch die Patienten, die zahlen. Seine Forderungen: Das Unrechts-Bewusstsein bei Ärzten schärfen, ein Vier-Augen-Prinzip bei der Erstellung der Wartelisten und klare Aufgabenprofile. Bachinger: „Es darf einfach nicht sein, dass ein Privat-Patient in einem öffentlichen Krankenhaus eine bessere medizinische Behandlung erhält als einer, der kein Privat-Patient ist.“