Anrainer-Petition nach Frequency-Festival-Ärger. Park-Chaos und Wildcamper regten heuer besonders auf. Bürger fordern nun Verbesserungen, auch Polizei kritisiert die Stadt. Lösungen werden gesucht.

Erstellt am 28. August 2018 (04:44)
Straubinger
Die während des Festivals aufgestellten Verkehrszeichen wurden häufig ignoriert. DiePolizei konnte die Verstöße aber kaumkontrollieren.

Mit 220.000 Besuchern war die zehnte Auflage in St. Pölten ein Rekord-Frequency. Das Festival war für die Stadt, den Veranstalter und die Unternehmen in der Umgebung ein großer Erfolg. Doch mit den Massen wuchs auch wieder die Kritik. „Das war zu viel“, ist von zahlreichen Anrainern zu hören und in Beschwerdebriefen zu lesen, die auch die NÖN erreichten. Der Magistrat verzeichnete laut Corina Muzatko vom Medienservice rund hundert Anrainerkontakte: „Eine Lösung der akuten Probleme war aber leider nicht immer möglich. Das sorgt für Frustration und Ärger.“

Wildcamper sorgten für Ärger und Probleme

Kritisiert wird vor allem die große Zahl der Wildcamper. Sie schlugen ihre Zelte in vielen Bereichen auf, die dafür nicht gedacht oder sogar extra gesperrt waren. Dadurch habe das Festival eine unkontrollierbare Eigendynamik erhalten und Camper seien viel zu nahe an die Wohngebiete herangekommen, kritisieren Anrainer.

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Viele Straßen wie hier in Harland waren zugeparkt. Nicht immer war dabei alles rechtlichin Ordnung.

Mit dieser Anzahl an Wildcampern sei laut Muzatko aber nicht zu rechnen gewesen. Viele seien ohne gültige Tickets nach St. Pölten gekommen. „Obwohl das Frequency längst ausverkauft war, wollten wohl viele auf das Campen nicht verzichten“, vermutet Muzatko. Festival-Organisator Harry Jenner betont, dass er diesen Leuten nicht vorschreiben könne, was sie tun. „Meiner Meinung nach war es aber so ruhig wie nie. Wir hatten beim Green-Camping sogar noch Parkplätze frei.“

Zusammen mit der Exekutive und dem Veranstalter werde die Stadt laut Muzatko eine sinnvolle und vor allem auch praktisch umsetzbare Lösung für das Wildcamper-Problem suchen. „Rechtlich gesehen kann aber auf Privatgrund nur der Grundstückseigentümer eine Besitzstörungsklage einbringen. Dazu muss aber auch klar sein, wer die Person überhaupt ist“, erklärt die Polizei, dass man nicht einmal einen Ausweis verlangen könne.

Polizei: „Zu viele Straßen gesperrt“

Ein weiterer Kritikpunkt sind die selten geahndeten Verkehrsdelikte. So waren Straßen teilweise komplett zugeparkt, Zufahrtsbeschränkungen zum Schutz der Anrainer wurden großteils ignoriert. Hier ärgern sich aber nicht nur Anrainer, auch die Polizei äußert ihr Unverständnis: „Heuer wurde der Anrainerschutz übertrieben. Es wurden so viele Straßen gesperrt, dass es für uns unmöglich war, diese auch nur annähernd zu kontrollieren.“

privat
Auch der Robinson-Spielplatz abseits des offiziellen Geländes wurde zum Camping-Areal und Parkplatz. Laut Stadt sorgten vor allem jene, die ohne Ticket kamen, für das heuer deutlich größere Wildcamping-Problem.

Denjenigen, die gestraft wurden, werde es auch relativ egal sein, befürchte die Anrainer: „Die 25 Euro teilen sie sich einfach mit ihren Mitfahrern.“ Sie wünschen sich daher höhere Strafen. „Die 118 Euro, die in der Bimbo-Binder-Promenade für das Parken im Halteverbot und am Grünstreifen verlangt werden, würde ihnen schon mehr weh tun“, so einer der Kommentare. Jenner betont auch hier, wie schwer es sei, den Besuchern etwas vorzuschreiben: „Das ist, wie wenn man zu schnell auf der Autobahn fährt. Heuer gab es aber so viele Shuttlebusfahrten wie nie.“

„Durch die frühzeitige Anreise und die Auf- und Abbauarbeiten erstreckt sich die Belastung auf über drei Wochen“

Dazu gab es weitere Probleme, wie etwa Betrunkene im eigenen Garten und die zeitliche Ausdehnung. „Durch die frühzeitige Anreise und die Auf- und Abbauarbeiten erstreckt sich die Belastung auf über drei Wochen“, so eine Anrainerin. Bewohnern der Christian-Artl-Gasse reicht es nun. Ernst Gregorites rief eine Online-Petition auf www.openpetition.eu ins Leben. „Wir sind nicht generell gegen das Festival, aber wir fordern einen größeren Abstand zum Wohngebiet, eine Verminderung der Lärmbelästigung und der Campingzone auf ein erträgliches Maß und eine Verbesserung des Müllmanagements.“ Mehr als 100 Leute unterzeichneten diese Petition bislang.